
West- und Zentralafrika erleben derzeit einen tiefgreifenden Wandel der Drogenszene. Zu diesem Schluss kommt der Regionalbericht 2026 des Büros der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), der am Freitag, dem 26. Juni, in Dakar vorgestellt wurde. Die Region, die bislang vor allem als Umschlagplatz des internationalen Drogenhandels bekannt war, entwickelt sich zunehmend zu einem Produktionsstandort, während sich gleichzeitig neue Drogenarten ausbreiten, berichtet RFI.
Mit der weltweit stark gestiegenen Kokainproduktion suchen Drogenhändler nach Wegen, bekannte Kontrollpunkte zu umgehen. Dadurch entstehen neue Schmuggelrouten. Dies ist eine der zentralen Erkenntnisse des UNODC.
Während sich die Handelsströme früher vor allem auf die Spitze Westafrikas über Kap Verde und den Senegal konzentrierten, verlagern sie sich inzwischen zunehmend weiter nach Süden – vom Golf von Guinea bis nach Zentralafrika.
„Mit der Zunahme dieser Handelsströme steigt sowohl die Zahl der Drogenfunde als auch die Menge der beschlagnahmten Drogen in Ländern, die bislang nur wenig von diesem Phänomen betroffen waren. So meldete Kamerun im Februar 2026 die Beschlagnahmung von einer Tonne Kokain“, erklärte François Patuel, Leiter der Abteilung Forschung und Sensibilisierung des UNODC-Regionalbüros für West- und Zentralafrika.
Eine Region wird zum Produktionsstandort
Die Rolle der Region verändert sich grundlegend. West- und Zentralafrika ist nicht länger nur eine Transitroute zwischen Lateinamerika und Europa, sondern entwickelt sich zunehmend selbst zu einer Produktionsregion für Drogen. So zerschlug Nigeria in diesem Jahr beispielsweise zwei Labore zur Herstellung von Methamphetamin.
„Auch Kokainlabore wurden aufgedeckt, unter anderem im Senegal und im Niger. All dies verändert bereits die Stellung der Region innerhalb der internationalen Lieferkette“, ergänzte der UNODC-Forscher François Patuel.
Neue synthetische Drogen auf dem Vormarsch
Obwohl Cannabis hinsichtlich Konsum und Beschlagnahmungen weiterhin die mit Abstand bedeutendste Droge der Region ist, gewinnen neue synthetische Drogen zunehmend an Bedeutung. Auch Mischkonsum nimmt zu. Ein Beispiel ist Kush, eine Mischung aus pflanzlichem Material und synthetischen Cannabinoiden, die insbesondere in Sierra Leone und Liberia verheerende Auswirkungen hat. „Heute berichten uns viele Verbraucherverbände zunehmend über den Konsum von Ecstasy. Das ist ein neues Phänomen“, erklärte der Leiter der Abteilung Forschung und Sensibilisierung des UNODC-Regionalbüros für West- und Zentralafrika.