
Fußball spielen, um sich neu aufzubauen und die Traumata von Krieg und Exil zu überwinden – das ist das Ziel einer sudanesischen Frauenmannschaft, die aus Profispielerinnen besteht, die vor dem Konflikt nach Ägypten geflohen sind. Initiiert wurde das Projekt von Salma al-Majidi, einer Pionierin des Frauenfußballs im Sudan, berichtet RFI.
Mitten zwischen den Häuserblocks eines armen Viertels in Kairo liegt ein abgenutzter Kunstrasenplatz. Im Tor steht Houda, Torhüterin der sudanesischen Nationalmannschaft.
„Dort hat uns der Fußball sehr viel gegeben – bis zum Krieg. Beim letzten Turnier, das wir im Sudan gespielt haben, verhinderten die Bombardierungen unseren Sieg“, erzählt sie. „Dann kam der Krieg, und wir mussten nach Ägypten fliehen.“
Vor ihr trainiert die 16-jährige Nour, eine Mütze tief ins Gesicht gezogen, und schießt einen Ball nach dem anderen aufs Tor – voller Träume und Hoffnungen.
„Ich möchte weiterkommen, in europäischen Ligen spielen und – so Gott will – eines Tages mein Land stolz machen“, sagt sie. „Ich möchte auch meine Familie stolz machen. Deshalb spiele ich Fußball. Mein Traum ist es, dass sie mich auf höchstem Niveau spielen sieht.“
Ihr Blick wirkt für ihr Alter ungewöhnlich ernst. Nachdem sie sieben Monate lang an der Grenze festsaß, kam sie allein nach Ägypten. Heute lebt sie von Gelegenheitsjobs, weit entfernt von jeder Schulbank.
„Ich putze hier und da Wohnungen“, erklärt Nour. „Es ist eine schwierige Zeit. Jeder Cent zählt, weil man essen muss. Aber ich spare auch Geld, damit ich etwas in den Sudan schicken kann.“
„Sie sind Widerstandskämpferinnen, geprägt vom Krieg“
Hinter der Pfeife steht Salma al-Majidi, eine symbolträchtige Figur des sudanesischen Frauenfußballs und in doppelter Hinsicht eine Pionierin. Sie war die erste Trainerin der ersten sudanesischen Frauen-Nationalmannschaft und brachte nach ihrer Ankunft in Kairo die in Ägypten lebenden geflüchteten Spielerinnen zusammen.
„Das Team bringt die Mädchen nicht nur zusammen und beschäftigt sie“, betont sie. „Es ist vor allem eine unverzichtbare Unterstützung. Viele durchleben extreme materielle Not: Unterkunft, Essen, Transport, Krankheit. Der Verein ist ein Lichtstrahl mitten in der Dunkelheit.“
Nicht zufällig nennt sich die Mannschaft „Samidat“ – die Widerstandsfähigen.
„Wenn man sich mit jeder der 32 Spielerinnen zusammensetzt, erzählen sie ihre Geschichte, ihren Alltag und die Prüfungen, die sie durchlebt haben“, berichtet Salma al-Majidi. „Der Name Samidat kommt genau daher: aus ihrer Ausdauer und Widerstandskraft. Sie sind Widerstandskämpferinnen, geprägt vom Krieg.“
Drei lange Jahre Krieg haben es nicht geschafft, die Leidenschaft dieser Kämpferinnen für den Fußball zu löschen.