Buch-Tipp: „Das geht gar nicht! Satiren aus Corona-Deutschland“ von Mercy Okojie

Mercy Okojie, die Lehrerin mit nigerianischen Wurzeln, die im letzten Jahr einen vielbeachteten Band mit Schulsatiren („Die Boa und ich“) veröffentlicht hat, legt nun unter dem Titel „Das geht gar nicht!“ ein Buch mit Corona-Satiren vor. Der neue Band enthält drei Satiren, die ein grelles Licht auf das Leben im Corona-Lockdown werfen.

In der ersten Geschichte zeigt sich Okojie zunächst beeindruckt von ihrer neuen Schule, an die sie versetzt wurde. So erwecken die meterdicken Mauern des neugotischen Gebäudes „einen durch und durch soliden Eindruck, wenngleich die endlos langen Flure, auf denen man aus der Welt fallen konnte, unheimlich waren“. Bei ihrer Suche nach dem Direktor stößt sie in dem von Corona leergefegten Treppenhaus plötzlich „auf einen nackten jungen Mann, der auf der Brüstung balancierte.“ Dass es sich bei näherem Hinsehen um eine Bronze-Plastik handelte, „die versonnen ihren athletischen Körper genoss“, ändert nichts an dem verstörenden Eindruck, den die neue Schule erweckt. Skurril erscheinen Okojie auch die Mitglieder der Schulleitung: „wahre Alphatiere, die einen ungemeinen Ehrgeiz an den Tag legten und sich beim Einsatz digitaler Medien jeden Augenblick selbst übertrafen“. Vor allem die Fachleiterin macht Okojie das Leben schwer. Als sie ihr einmal gesteht, an der alten Schule mit ihren Schülern ihre eigenen Bücher über Nigeria gelesen zu haben, erblasst die „Rote Zora“ und stößt den Satz hervor, dem das Buch seinen Titel verdankt: „Das geht gar nicht!“ Aber noch im selben Augenblick wandelt sich ihre neue Feindin auf rätselhafte Weise: Nicht nur möchte sie Okojies Bücher lesen, sie träumt auch von einem gemeinsamen Urlaub in Nigeria, um die Heimat ihrer Kollegin kennenzulernen. Schließlich gesteht die Fachleiterin unter den Augen des nackten klassizistischen Jünglings ihre Liebe zu Mercy. Wie die Geschichte ausgeht, die das Leben der Ich-Erzählerin verändert, möge jeder selbst nachlesen.

Die Satire „Der Gehilfe“ strotzt nur so von Turbulenzen und Komik, denn hier tritt nicht nur das Corona-Virus auf, sondern auch Islamisten, Rechtsradikale und Coronaleugner. Die Leser:innen freuen sich zudem, Dr. Z. und dem Schwarzen Riesen wieder zu begegnen, die schon in „Die Boa und ich“ allerlei Unfug angestellt haben. Während Dr. Z., der einstige islamophobe Neurechte, sich in Nigeria Boko Haram angeschlossen hat und nun in Frankfurt ein missglücktes Selbstmordattentat inszeniert, hat der Schwarze Riese als Pfarrer einer afrikanischen Freikirche alle Hände voll zu tun. Da wird Mercy Okojies Freund plötzlich in der Bild-Zeitung an den Pranger gestellt, indem ihm „Kontakte zu Rechtsradikalen“ unterstellt werden. Nicht ohne Grund, wie Okojie herausfindet. Der Schwarze Riese hatte nämlich mit einer Rundmail auf die Stellungnahme einer Schülerin reagiert, die auf einer Querdenker-Demo dreist behauptet hatte, sie fühle sich wie Sophie Scholl. Mercy Okojies Freund reagiert daraufhin mit afrikanischem Humor, den er sich in Nigeria angeeignet hatte. Das aber macht die Sache nur noch schlimmer und löst einen Skandal aus, der die Republik erschüttert.

Mercy Okojies mitreißende und tiefschürfende Corona-Satiren wurden von John Bridge mit Corona-Bildern illustriert, die in ihrem an die Pest erinnernden Grauen den satirischen Humor der Erzählungen konterkarieren. Zweifellos eines der besten Bücher zur Corona-Pandemie! (Ester Awonoor)

Mercy Okojie: „Das geht gar nicht! Satiren aus Corona-Deutschland“
Verlag Traugott Bautz GmbH 2021
ISBN 978-3-95948-514-2
7,– Euro