Deutsche Wirtschaft: Aus der Pandemie zu neuen Wegen nach und für Afrika

Afrika bietet der deutschen Wirtschaft interessante Potentiale als strategischer Zukunftsmarkt. Jedoch befindet sich Afrika im internationalen Globalisierungsprozess des letzten Jahrzehnts ziemlich am Rand. Jetzt in der herrschenden Pandemie-Krise steht der Kontinent vor enormen Herausforderungen für einen nachhaltig wirkenden Aufbruch, wenn es auch heißt: Afrika ist der Kontinent der verschiedenen Geschwindigkeiten.  Suchen wir unseren Weg aus der Stille der Corona-Zeit, in der die geschäftliche Kommunikation stark eingeengt ist und gehen flexibel die Weiterführung unserer Beziehungen mit Afrika an.

Wenn auch die große Last des Kontinents durch Hunger, Gesundheitsprobleme, Armut, Flucht und Terror erschwerend wirkt, stelle ich hier die umfassenden Aktionen von Bundesminister Dr. Müller für umfangreiche finanzielle Hilfen in der Coronakrise vor an. Ebenso steht die vom BMZ getragene Projektarbeit mit der GIZ mit afrikanischen Reformstaaten (Grüne Innovationszentren zu dezentraler ländlicher Entwicklung) zur Weiterführung bis 2024 . 

Der Anreiz zu neuer Initiative der KMU

Im Fokus der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Afrika sehe ich die 2019 anlässlich der G20-Compact with Africa-Konferenz von Bundesminister Altmaier gegebenen Aussage: Wir  müssen private Investitionen in Afrika stärken, um Arbeitsplätze zu schaffen, Perspektiven und Wohlstand in Afrika“. Und Auslandsinvestitionen liegen im Verantwortungsbereich des BMWi.

Deutsche Unternehmen müssen zielstrebiger den Schritt nach Afrika für Investitionen vor Ort wagen. Das BMWi will speziell Klein- und Mittelstandsunternehmen begleiten durch Ausbau der Außenwirtschaftsförderung mit einem gebündelten Beratungs- und Unterstützungsangebot. Strukturiert ist die dafür breit etablierte Geschäftsstelle „Wirtschaftsnetzwerk Afrika“ (WN Afrika).

Mir scheint, dass das bisherige Engagement mit den initiierten Beratungs- und Begleitungsangeboten sich im Ablauf doch kompliziert gestaltet, denn dem Begleiten müssen letztlich konkrete Objektverträge oder Investmentprojekte mit den Partnern in überschaubarer Zeit folgen. Entscheidend dabei ist, die interessierten Akteure im Partnerland zu finden.

Ein neuer Aspekt zur Markterschließung

Das neue Angebot vom WN Afrika zur Etablierung von Branchenexperten aus den lokalen Wirtschaften der Länder – eine plausible Variante zur Marktarbeit, zur Objektfindung und neuen Geschäftsideen.

Für die angestrebte Markterschließung habe ich dazu für Ghana die Idee, mit den lokalen Branchenexperten einen Fachexperten aus der deutschen Wirtschaft (z.B.für Maschinen-und Anlagenbau) zu stationieren. Ich halte eine solche Arbeitskombination für sinnvoll.

Investment – in größeren Entwicklungsprojekten – Industrialisierung

Wichtig ist, dass sich die deutsche Wirtschaft intensiver orientiert auf  Großobjekte in Ghana und der westafrikanischen Region (in Ghana finden wir VW, den  Fahrzeugkonzern, und Siemens im Energiebereich). Konzentrieren wir uns neben Erneuerbaren Energien überhaupt auch auf die Bereiche der Eisenbahn, Bergbau, Agrar- und  Forstwirtschaft und speziellen Infrastrukturen? Oder überlassen wir diese Felder den Konzernen mit ihren Banken aus China und Indien?

Die Umsetzung von Industrialisierungsstrategien der Länder wird ohne Kooperationspartner von außen nicht möglich sein, erfordert aber ein hohes Maß an lokaler Eigeninitiative seitens der Regierung und Privatwirtschaft. Ghana bietet Partnerschaften / Investoren für die 2017 gestartete Initiative „One District -One Factory“ zur Gründung neuer Verarbeitungs-und Fertigungsstätten in den Distrikten.

Eine klare Aufbruchstimmung dazu vermittelt kürzlich in Ghana der neu berufene Minister für Handel und Industrie, Alan Kwadwo Kyerematen. Seine Regierung sei auf dem richtigen Weg mit dem Industrialisierungs-Plan, um dadurch den hohen Importanteil für den notwendigen Konsum zu reduzieren. D.h., Ghanas Kapazitäten für die Eigenproduktion auszubauen mit gleichzeitiger Stärkung im Bereich „small scale busiensses“. Bedeutungsvoll bleibt die nachhaltige Entwicklung der Agrarwirtschaft Afrikas.

Der Präsident der Afrikanischen Entwicklungsbank Akinwumi Adesina sagt, dass der Armut nicht zu entkommen ist ohne Industrialisierung, die in Afrika eine Agro-Industrialisierung sein muss. Denn darin liegt die Chance, Jobs zu schaffen, weil jedes Jahr 10 Millionen junge Leute auf den Arbeitsmarkt strömen. Die AEB hat entschieden, 24 Mrd. Dollar in die Landwirtschaft zu investieren.

Für Ghana stellte der Landwirtschaftsminister, Dr. Owusu Afriyie Akoto im Februar 2021 die beabsichtigten Importe von Farmmaschinen vor, die vereinbart sind mit Indien und Brasilien. Der Bedarf an Ernte- und Verarbeitungstechnik ist gestiegen, die im Wesentlichen importiert werden muss.

Hier füge ich ein meinen Vorschlag, für Ghana die Errichtung eines Industrieparks, konzipiert für die Modernisierung der Agrarwirtschaft, den ich dem BMZ und der GIZ bereits 2019 vorgelegt habe.

Mit diesen Beispielen möchte ich herausstellen, dass unser Interesse für die Mitwirkung im Agrarsektor in Ghana als auch in der Westafrika-Region bis in die Sahelregion in den Mittelpunkt rücken muss. Bei WNA als auch lt. Portfolio der AHK-Vertretung in Accra  sehe ich nicht dieses nicht als komplexes Gebiet im Focus.

Mich hat das Plädoyer der Bundesministerin Julia Klöckner zum Afrikakonzept des BMEL zu   „ Ernährung sichern – Wachstum fördern überrascht, wobei gemeinsame Agrarprojekte mit afrikanischen Partner in 28 Ländern vorgestellt wurden. Seit 2010 wurden vom BMEL rund 120 Millionen Euro in Afrika investiert.

Im großartigen Vorhaben „Compact with Africa“ stellt sich für das deutsche Investment für Afrika die Herausforderung an die genannten Verantwortungsträger für ein effektiveres Zusammenwirken auf den Märkten des Kontinents, um den dort herrschenden Bedingen der Menschen und der Natur Entwicklung zu bieten.

Denn die deutsche Wirtschaft muss sich wirkungsvoller in den Märkten etablieren gegen den gewaltigen rollenden Zug der chinesischen Seidenstraße.

Engen wir uns nicht zu stark ein mit der ausgewählten Form der gebündelten Beratungs- und Begleitungsangebote, sondern gestalten flexibel eine notwendige offensiven Marktarbeit!  (Dipl.oec. Gerd Eckert, Bild mohamed hassan / Pixabay)