Marokko engagiert sich im „Friedensrat“ von Trump: die Sahara als Hintergrund?

Marokko engagiert sich im „Friedensrat“ von Trump: die Sahara als Hintergrund?
Symbolbild, KI-generiert

Das Königreich Marokko wird das erste afrikanische Land, das dem von Donald Trump initiierten „Friedensrat“ beitritt. Eine Entscheidung von König Mohammed VI. mit weitreichenden geopolitischen Implikationen – zwischen Washington, dem Nahen Osten und der Westsahara.

Marokko hat einen beispiellosen diplomatischen Schritt vollzogen. Am 19. Januar 2026 bestätigte Rabat offiziell seinen Beitritt zum von US-Präsident Donald Trump ins Leben gerufenen „Friedensrat“ und ist damit das erste afrikanische Land, das einen Sitz in diesem neuen internationalen Gremium annimmt. König Mohammed VI. folgte der Einladung des Weißen Hauses und schließt sich dem Projekt als „Gründungsmitglied“ an, wie aus einer Mitteilung des marokkanischen Außenministeriums hervorgeht.

Diese Ankündigung erfolgt in einem angespannten geopolitischen Kontext, der von der Neuordnung der Allianzen im Nahen Osten, den Ungewissheiten über die Zukunft des israelisch-palästinensischen Konflikts sowie dem erklärten Willen Donald Trumps geprägt ist, die multilaterale Weltordnung neu zu gestalten. Von Washington als neues Instrument zur internationalen Stabilisierung präsentiert, war der „Friedensrat“ ursprünglich dafür gedacht, den Wiederaufbau des Gazastreifens nach dem Konflikt zu begleiten.

Ein Friedensrat mit noch unklaren Konturen

Der veröffentlichte Entwurf der Charta erwähnt jedoch das palästinensische Territorium mit keinem Wort und erweitert den Aktionsrahmen der Organisation erheblich. Den vorliegenden Dokumenten zufolge soll der Rat „pragmatische Lösungen für bewaffnete Konflikte fördern“ und in Krisenregionen außerhalb der traditionellen UN-Strukturen intervenieren. Eine Ausrichtung, die zahlreiche Spekulationen nährt.

Mehrere Analysten sehen darin den Versuch Donald Trumps, den Grundstein für eine Struktur zu legen, die mit den Vereinten Nationen konkurriert, welche von Teilen des amerikanischen Establishments als ineffizient und zu restriktiv betrachtet werden. Ein weiterer bemerkenswerter Punkt: Staaten, die einen ständigen Sitz anstreben, müssen einen finanziellen Beitrag von mehr als einer Milliarde US-Dollar leisten – ein Kriterium, das den Zugang faktisch auf wirtschaftlich potente Mächte beschränkt.

Marokko stimmt als erstes afrikanisches Land zu

Mit seiner Entscheidung, dem Rat bereits bei seiner Gründung beizutreten, hebt sich Marokko deutlich vom restlichen afrikanischen Kontinent ab. Ägypten, das ebenfalls von Washington angesprochen wurde, erklärte, man wolle den Vorschlag „in all seinen Aspekten prüfen“, bevor eine Entscheidung getroffen werde. Die Wahl Rabats erscheint daher als starkes politisches Signal und als Ausdruck des Willens, sich frühzeitig in dieser neuen internationalen Konstellation zu positionieren.

Für die marokkanische Diplomatie fügt sich dieser Beitritt in eine Logik aktiver Beteiligung an Friedensbemühungen ein, insbesondere im Nahen Osten – einer Region, zu der das Königreich seit den Abraham-Abkommen offizielle Beziehungen zu Israel unterhält. Hinter der offiziellen Argumentation stehen jedoch präzise strategische Überlegungen. Rabat hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass es ein starkes Interesse an der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus hat.

Die Westsahara als geopolitischer Hintergrund

Im Jahr 2020 hatte die Trump-Administration die marokkanische Souveränität über die Westsahara anerkannt – ein zentrales Dossier für das Königreich – im Gegenzug für die Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Seitdem haben sich die Beziehungen zwischen Rabat und Tel Aviv insbesondere im sicherheits- und militärpolitischen Bereich deutlich vertieft. Mit dem Beitritt zum Friedensrat sendet Mohammed VI. ein starkes politisches Signal an Washington und festigt eine bilaterale Beziehung, die als entscheidend für die Zukunft der Saharafrage gilt.

Diese Initiative erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem Marokko einen neuen Autonomieplan für die Westsahara vorbereitet, der die internationalen Diskussionen über diese umstrittene Region neu beleben soll. Durch die Sicherung eines Platzes in einem von den Vereinigten Staaten unterstützten Gremium hofft Rabat, größeren Einfluss auf die diplomatischen Kräfteverhältnisse zu gewinnen und die amerikanische Unterstützung in den bevorstehenden Verhandlungen zu sichern.

Rabat hat sich entschieden, nicht Zuschauer zu bleiben

Der Beitritt zum Friedensrat ist Ausdruck der Weiterentwicklung der marokkanischen Diplomatie hin zu einem proaktiveren Ansatz auf der internationalen Bühne. Mit der Teilnahme an einer noch umstrittenen Organisation geht Marokko eine kalkulierte Wette ein: die eines strategischen Schulterschlusses mit Washington in einer Welt, in der sich die Machtverhältnisse rasch verändern.

Offen bleibt, ob sich dieses neue Gremium als glaubwürdiger Akteur der globalen Governance etablieren kann oder ob es lediglich ein politisches Instrument im Dienste der internationalen Vision – oder gar eines „Traums mit offenen Augen“ – von Donald Trump bleiben wird. In jedem Fall hat Rabat entschieden, nicht Zuschauer zu bleiben. (Quelle: afrik.com)