
Mehrere minderjährige Mädchen, die aus Marokko nach Ceuta gelangt sind, mussten nach mutmaßlichen sexuellen Übergriffen medizinisch behandelt werden. Die spanischen Behörden haben Ermittlungen eingeleitet. Gleichzeitig warnen medizinisches Personal und Hilfsorganisationen vor unzureichenden Aufnahmebedingungen und mangelndem Schutz für die jungen Mädchen in der Stadt.
In der vergangenen Woche wurden im Universitätskrankenhaus von Ceuta mindestens fünf Mädchen unter 14 Jahren wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe behandelt. Nach Angaben aus medizinischen Kreisen waren sie alle nach dem massiven Zustrom von Migranten Ende Juli aus Marokko nach Ceuta gekommen. Dieselben Quellen berichten von weiteren Personen, die wegen Verletzungen oder Befunden behandelt wurden, die auf sexuelle Übergriffe hindeuten könnten.
Spanische Polizei leitet Ermittlungen ein
Unter den Betroffenen soll sich mindestens ein Junge befinden. Die genaue Zahl der Opfer ist jedoch nicht bekannt, da einige Betroffene keine Anzeige erstattet haben. Insgesamt sollen die zuständigen Stellen mehr als zehn Fälle untersucht haben, bei denen der Verdacht auf sexuelle Übergriffe bestand. Die spanische Nationalpolizei hat Ermittlungen im Fall einer Minderjährigen aufgenommen, die während des großen Migrantenzustroms nach Ceuta gekommen war. Das Mädchen wurde ins Krankenhaus gebracht und wies Verletzungen auf, die mit einem sexuellen Übergriff vereinbar sind. Bislang machten die Behörden keine öffentlichen Angaben zu möglichen Tatverdächtigen oder zu den genauen Umständen der Tat. Aus Justizkreisen heißt es zudem, dass mehrere versuchte Übergriffe durch das Eingreifen von Anwohnern verhindert worden seien.
Minderjährige ohne Platz in den Aufnahmezentren
Weitere Fälle sollen im Versuchsstadium geblieben sein. Die Ermittlungen dauern an, um die Umstände der gemeldeten Vorfälle zu klären.
Susana Ascaso, Notärztin am Universitätskrankenhaus von Ceuta, bestätigte, dass junge Migrantinnen nach mutmaßlichen sexuellen Übergriffen behandelt wurden. In einem Interview mit El Pueblo de Ceuta erklärte sie, einige Minderjährige müssten auf der Straße leben, weil in den Aufnahmezentren für Kinder und Jugendliche nicht genügend Plätze vorhanden seien. Nach Angaben der Ärztin liegt dies nicht daran, dass die Minderjährigen nicht aufgenommen werden sollen, sondern an fehlenden Unterbringungskapazitäten. Die Mehrheit der nach Ceuta gelangten Menschen seien junge Erwachsene, zugleich sei jedoch auch die Zahl der Mädchen und Kleinkinder gestiegen. Nach Aussage von Susana Ascaso behandeln die Notaufnahmen des Universitätskrankenhauses täglich zwischen 300 und 400 Migranten.
Warnungen vor Gefahren für Mädchen und Jugendliche
Die Ärztin weist darauf hin, dass Patienten nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus teilweise ohne Unterkunft oder weitere Betreuung dastehen. Hinzu kommen gesundheitliche Probleme: Einige Migranten hätten keinen Zugang zu ihren gewohnten Medikamenten. Es gebe unter anderem Fälle von schweren Stoffwechselentgleisungen bei Diabetes sowie epileptischen Anfällen. Auch Risiken durch bestimmte Infektionskrankheiten seien vorhanden. Ascaso fordert deshalb eine Verstärkung der medizinischen Kapazitäten.
Im improvisierten Lager von Sidi Embarek, in dem sich rund 300 Menschen aufhalten sollen, berichtet der Vorsitzende einer Nachbarschaftsvereinigung ebenfalls von jungen Mädchen, die nach mutmaßlichen sexuellen Übergriffen in den Bergregionen dort angekommen seien. Einige Opfer würden aufgrund ihrer psychischen Verfassung keine Anzeige erstatten. Anwohner hätten deshalb eine Psychologin und eine Anwältin um Unterstützung gebeten.
Gefahr von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung
Die Organisation Save the Children warnt vor der Gefahr von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung, wenn Mädchen und jugendliche Migrantinnen ohne Unterkunft und angemessene Betreuung bleiben. Eine Migrationsexpertin der Organisation betont insbesondere die hohe Gefährdung alleinstehender Jugendlicher, die keinen Zugang zum Schutzsystem haben. Angesichts dieser Situation hat die spanische Polizei erklärt, bei der Identifizierung Mädchen und Kindern unter 13 Jahren Vorrang einzuräumen.
Auch die spanische Ministerin für Jugend und Kindheit, Sira Rego, bestätigte, dass sich das Profil der in Ceuta ankommenden Minderjährigen verändert habe. Der Anteil von Mädchen und jüngeren Kindern sei gestiegen.
1.342 Minderjährige in Ceuta
Behörden, medizinische Einrichtungen und Kinderschutzorganisationen setzen die Identifizierung, Unterbringung und Betreuung der Minderjährigen fort.
Rund 50.000 Menschen sollen während des massiven Zustroms am 30. Juli von Marokko nach Ceuta gelangt sein. Ein Teil von ihnen kehrte anschließend nach Marokko zurück. Am 7. August hatten die spanischen Behörden 1.342 Minderjährige registriert, die sich noch in der Enklave aufhielten. Der massive Zustrom hat die Aufnahmeeinrichtungen stark belastet. Unter den Ankommenden befanden sich auch zahlreiche Mädchen und Kleinkinder. Die vorhandenen Unterbringungskapazitäten reichten nicht aus, um sämtliche Minderjährigen aufzunehmen. (Quelle: afrik.com)