Mit stärkerem Fokus auf Afrikas Zukunft – Für neue Impulse in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit

Mit stärkerem Fokus auf Afrikas Zukunft – Für neue Impulse in einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit

Die Afrikareise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im November 2025, begleitet von einer Wirtschaftsdelegation, hat der deutschen Afrikapolitik neue Aufmerksamkeit verschafft. Der Kontinent mit seinen 54 Staaten spielt eine zentrale Rolle im Verbund des Globalen Südens. Asiatische Akteure sind dort bereits seit Jahren konsequent und strategisch engagiert.

Im internationalen Wettbewerb steht die deutsche Wirtschaft vor der Herausforderung, ihre partnerschaftlichen Beziehungen zu Afrika auszubauen und ihr Engagement auf den afrikanischen Märkten deutlich zu stärken. Dazu müssen wir unsere afrikanischen Partner stärker für neue Entwicklungswege interessieren – basierend auf unseren technologischen Kapazitäten, unserem Know-how und einer vertrauensvollen, innovativen Zusammenarbeit. Aus afrikanischen Regierungskreisen kommt seit Langem die Einladung an die deutsche Wirtschaft, sich an neuen Investitionsprojekten zu beteiligen.

Nach den Gesprächen der Wirtschaftsdelegation in Ägypten, Ghana und Angola bleibt jedoch festzuhalten, dass bisher kaum konkrete Ansätze für neue Investitionsprojekte erkennbar sind. Daher stellt sich die Frage, wie ernsthaft sich deutsche Unternehmen an der praktischen Umsetzung der Maßnahmen des BMZ-Aktionsplans zu vereinbarten Projektmodellen beteiligen.

Gerade deshalb gilt es, die nachhaltigen Entwicklungsstrategien afrikanischer Länder mit der deutschen Wirtschaftsstrategie für Afrika enger zu verknüpfen. Ich richte den Blick dabei auf zwei volkswirtschaftliche Schwerpunkte, die entscheidend für die Stabilität der Staaten und die Sicherheit ihrer Bevölkerung sind. Mit den Fördermöglichkeiten der Bundesregierung sollten deutsche Unternehmen mutiger agieren und Chancen aktiver nutzen.

1. Entwicklung heißt Industrialisierung Afrikas
Ein aktueller Anlass ist der 1989 eingeführte „Tag der Industrialisierung Afrikas“ (AID), der 2025 vom 17. bis 21. November unter dem Motto steht: „Transformation der afrikanischen Wirtschaft durch nachhaltige Industrialisierung, regionale Integration und Innovation.“ Im Rahmen dieses Aktionstages sollen afrikanischen Ländern umfassende Lösungsansätze präsentiert werden – insbesondere zur Mobilisierung von Investitionen und zur Beschleunigung der industriellen Wertschöpfung.

Für eine deutsche Mitwirkung bietet sich die Einrichtung einer gemeinsamen Expertengruppe aus dem Maschinen- und Anlagenbau an, die konkrete Projekte vorbereitet. Dazu zählen insbesondere Ansätze:

– zur Wiederbelebung bestehender Industriezweige,
– zur Stärkung der Fertigungsindustrie und handwerklicher Werkstätten,
– zur Entwicklung von Energie- und Wasserwirtschaftsprojekten,
– im Maschinenbau für Gerätebau und Lagertechnik,
– sowie Schwerpunktbereiche wie Rohstoffaufbereitung, Bahntechnik und Schienenfahrzeugbau,
– und die Weiterentwicklung der Holzwirtschaft.

Entscheidend ist der Aufbau moderner Produktionskapazitäten, um sichere Arbeitsplätze und Ausbildungsstätten zu schaffen.

Auch die 2018 von der Bundesregierung gestartete Initiative „Compact with Africa“ mit ausgewählten Reformstaaten sollte reaktiviert und gestärkt werden. Die Vertreter der deutschen Wirtschaft, die bereits in afrikanischen Ländern tätig sind, können mit ihren Kontakten und Erfahrungen wesentlich zur konkreten Projektentwicklung beitragen.

2. Hunger beseitigen – Ernährung sichern – Agrarwirtschaft modernisieren
Die Überwindung der Hungerkrise auf dem Kontinent ist eine internationale Verpflichtung. Zwar bemühen sich afrikanische Regierungen, die hohen Nahrungsmittelimporte zu reduzieren, doch entsprechen die bisherigen agrarpolitischen Maßnahmen oft nicht den Anforderungen, um die eigene Lebensmittelproduktion nachhaltig zu stärken.

Gerade hier bietet sich ein breites Feld für gemeinsames Handeln. Die Modernisierung der Agrartechnik muss intensiv vorangetrieben werden. Programme zur verbesserten Landnutzung sollten mit Empfehlungen für kooperative Strukturen verknüpft werden, um Kleinbauern durch genossenschaftliche Modelle abzusichern und ihre Produktivität zu erhöhen.

In mehreren Ländern entstehen derzeit regionale „Agrarzentren“, konzipiert als agrarindustrielle Entwicklungsräume, die insbesondere der Jugend neue Zukunftsperspektiven bieten.

Hier sind besonders deutsche Landwirte und Agrarexperten gefragt, praxisnahe Vorschläge zur Entwicklung solcher Agro-Industrieparks zu erarbeiten und bereitzustellen.

Deutschland ist nicht nur geografisch ein unmittelbarer Nachbar Afrikas, sondern hat auch ein politisches und wirtschaftliches Interesse an einer vertieften Partnerschaft.

Eine konstruktive Zusammenarbeit in der strategischen Entwicklung der afrikanischen Länder – vor allem bei der wertschöpfenden Nutzung ihrer reichen Ressourcen – muss stärker in den Fokus der deutschen Wirtschaft rücken. Dazu gehört auch die Mobilisierung direkter Investitionen.

Trotz komplexer Marktbedingungen und eines intensiven internationalen Wettbewerbs braucht es mehr Engagement aus Deutschland.

Mein Anliegen ist es, dazu beizutragen, der Entwicklung Afrikas deutlich größere Aufmerksamkeit zu schenken. (Dipl.-Oec. Gerd Eckert)