Ebola in der DR Kongo: Aberglaube, Minengebiete und infizierte Pflegekräfte – die Herausforderungen des Gesundheitsministers

Ebola in der DR Kongo: Aberglaube, Minengebiete und infizierte Pflegekräfte – die Herausforderungen des Gesundheitsministers

Roger Kamba, Gesundheitsminister der Demokratischen Republik Kongo, hielt am Samstag, dem 16. Mai, in Kinshasa eine Pressekonferenz zur siebzehnten Ebola-Epidemie ab, die derzeit die Provinz Ituri betrifft. Die vorläufige Bilanz zum Zeitpunkt der Pressekonferenz belief sich auf 246 Verdachtsfälle und 80 wahrscheinliche Todesfälle. Der Minister betonte, dass seine Teams aktiv vor Ort nach Fällen suchen und nicht auf spontane Meldungen warten. Er erläuterte die Herkunft der Epidemie, die Herausforderungen bei der Bekämpfung und richtete einen direkten Appell an die Bevölkerung, berichtet RFI.

Kamba schilderte zunächst den Ursprung des Ausbruchs. Eine erste Person – eine Krankenschwester – erkrankte am 15. April und starb am 24. April in Bunia. Ihr Leichnam wurde anschließend in die Gesundheitszone Mongwalu gebracht, ein dicht besiedeltes Bergbaugebiet rund 90 Kilometer entfernt. Gerade dieser Transport des Leichnams ließ die Epidemie eskalieren. Seitdem vervielfachen sich die Ansteckungen, insbesondere in Gesundheitseinrichtungen, während die Zahl der Todesfälle in den vergangenen Wochen stark angestiegen ist.

Erste Herausforderung: Aberglaube und Misstrauen

Nach Angaben des Ministers hielten viele Menschen die Erkrankungen zunächst für Fälle von Hexerei. Erkrankte wurden daher nicht in Gesundheitszentren gebracht. „Das ist keine mystische Krankheit. Man darf sich mit dieser Krankheit nicht verstecken, das ist keine Hexerei“, betonte Roger Kamba. „Unsere Teams sind am Flughafen präsent, weil wir wissen, dass Direktflüge aus Bunia ankommen. Wir setzen Kontroll- und Überwachungsmaßnahmen ein. Es gibt Grenzregionen zu Uganda und zum Südsudan sowie Verbindungen zwischen mehreren Provinzen wie Tshopo und Nord-Kivu, die wir ebenfalls überwachen.
Wie verfolgen wir Menschen, die sich an bestimmten Orten aufgehalten haben? Dabei unterstützen uns staatliche Dienste.
Wie kann man eine Epidemie eindämmen, wenn es weder Impfstoff noch Behandlung gibt? Bereits 2012 und bei mehreren anderen Ausbrüchen in Uganda gab es weder Medikamente noch Impfstoffe. Nur öffentliche Gesundheitsmaßnahmen ermöglichten die Eindämmung. Erkrankte schnell zu identifizieren ist genauso wichtig wie ein Impfstoff. Auch die Behandlung der Kranken ist entscheidend. Wenn all diese Maßnahmen unter sicheren Bedingungen umgesetzt werden, kann die Ausbreitung des Virus gestoppt werden.“

Zweite Herausforderung: Die Geografie

Drei Gesundheitszonen sind betroffen: Rwampara, Mongwalu und Bunia. Eine Ausweitung auf weitere Gebiete ist möglich. Dabei handelt es sich um Handels- und Bergbauregionen mit intensiven Personenbewegungen in Richtung Nord-Kivu, Tshopo, Uganda und Südsudan.

Die Lage von Mongwalu als bedeutendes Bergbau- und Handelszentrum erschwert die Eindämmung erheblich, erklärte Roger Kamba: „Das betroffene Gebiet ist ein stark kommerziell geprägtes Gebiet mit vielen Minen. Menschen reisen in viele Richtungen. Die Herausforderung besteht darin, alle Fälle in diesen Bevölkerungsbewegungen äußerst aktiv zu kontrollieren und zu überwachen. Eine weitere Schwierigkeit ist die Nachverfolgung der Kontaktpersonen. Wir müssen alle Menschen finden, die mit Erkrankten Kontakt hatten.“

Die Gesundheitsbehörden arbeiten inzwischen daran, eine Ausbreitung auf andere Provinzen zu verhindern. Selbst Kinshasa gilt wegen direkter Flugverbindungen nach Bunia als gefährdet, erklärt Dieudonné Mwamba: „Wir finalisieren derzeit den Vorbereitungsplan für Gegenmaßnahmen. Dabei berücksichtigen wir nicht nur die drei betroffenen Zonen, sondern auch andere gefährdete Provinzen wie Nord-Kivu, Haut-Uele und Tshopo. Möglicherweise sogar Kinshasa, da inzwischen Direktflüge von Bunia nach Kinshasa existieren.“

Dritte Herausforderung: Der Virusstamm selbst

Der Ebola-Stamm Bundibugyo verfügt weder über einen Impfstoff noch über eine spezifische Behandlung. Die hämorrhagischen Symptome treten später auf als beim Zaïre-Stamm. Anfangs kann die Krankheit leicht mit einer Grippe oder Malaria verwechselt werden. Diese verzögerte klinische Erkennung erhöht das Risiko einer weiteren Ausbreitung.

Da es weder Impfstoff noch Therapie gegen den Bundibugyo-Stamm gibt, setzen die Behörden vor allem auf Überwachung und Sensibilisierungskampagnen, um die Epidemie einzudämmen.

Vierte Herausforderung: Gesundheitspersonal an vorderster Front

Pflegekräfte und medizinisches Personal stehen an der Frontlinie und zahlen einen hohen Preis. Von den acht laborbestätigten Fällen betreffen vier Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Warum die Ebola-Epidemie in Ituri deutlich gefährlicher ist als jene in Bulape

Die Demokratische Republik Kongo erlebt ihre siebzehnte Ebola-Epidemie – doch diese unterscheidet sich grundlegend von der vorherigen in Bulape: anderer Stamm, andere Region und andere Mittel zur Bekämpfung.

Die letzte Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo fand in Bulape in der Region Kasai statt. Sie dauerte 88 Tage – vom 4. September bis zum 1. Dezember 2025. 64 Menschen wurden infiziert, 45 starben. Betroffen war nur eine Gesundheitszone, und vor allem standen ein Impfstoff und bekannte Behandlungsmethoden zur Verfügung. Mehr als 47.500 Menschen wurden geimpft. Die Demokratische Republik Kongo galt damals als Vorbild.

Heute ist alles anders.

Zunächst der Virusstamm: In Bulape handelte es sich um den Zaïre-Stamm – den am besten erforschten Ebola-Stamm, gegen den die in der Demokratischen Republik Kongo eingesetzten Impfstoffe entwickelt wurden. Heute dagegen handelt es sich um den Bundibugyo-Stamm. Es gibt weder Impfstoff noch spezifische Behandlung.

Auch die geografische Lage ist anders: Bulape war ein isoliertes ländliches Gebiet mit nur einer betroffenen Gesundheitszone. Heute sind bereits drei Zonen betroffen: Rwampara, Mongwalu und Bunia – die Hauptstadt der Provinz Ituri mit rund einer halben Million Einwohnern und ein Verkehrsknotenpunkt Richtung Nord-Kivu, Tshopo, Uganda und Südsudan. Während die geografische Isolation in Bulape die Ausbreitung begrenzte, beschleunigt die hohe Mobilität der Bevölkerung in Ituri die Verbreitung.

Hinzu kommt die internationale Dimension: Die Epidemie in Bulape überschritt nie die kongolesischen Grenzen. Der aktuelle Ausbruch hat bereits einen Mann in Uganda das Leben gekostet. Kenia, der Südsudan und die Vereinigten Staaten haben bereits vorbeugende Maßnahmen aktiviert.