
Die Ankündigung von Donald Trump über den Tod von Abu-Bilal al-Minuki, der als einer der ranghöchsten Verantwortlichen der Organisation Islamischer Staat (IS) weltweit galt, stellt einen wichtigen operativen Erfolg für die amerikanischen und nigerianischen Streitkräfte dar. Doch eine Frage bleibt offen: Bedeutet die Ausschaltung dieses Dschihadistenführers einen tödlichen Schlag für die Organisation in Afrika, oder handelt es sich eher um einen symbolischen Sieg in einem inzwischen tief verwurzelten Krieg?
Im Nordosten Nigerias dauert der Krieg gegen dschihadistische Gruppen seit mehr als fünfzehn Jahren an. Anschläge, Massenentführungen, niedergebrannte Dörfer und Angriffe auf Sicherheitskräfte prägen den Alltag von Millionen Menschen, die in einer chronischen Gewaltspirale gefangen sind. Vor diesem Hintergrund gab der amerikanische Präsident Donald Trump am Freitag, dem 15. Mai, den Tod von Abu-Bilal al-Minuki bei einer gemeinsamen Operation amerikanischer und nigerianischer Streitkräfte bekannt. Washington bezeichnete ihn als die „Nummer zwei“ des Islamischen Staates weltweit. Er galt als einer der wichtigsten Architekten der Expansion des IS im Tschadsee-Becken.
Ein hochrangiger strategischer Kader des Islamischen Staates
Abu-Bilal al-Minuki, auch bekannt unter dem Namen Abu Bakr al-Mainuki, nahm eine zentrale Stellung innerhalb des Apparats des Islamischen Staates in Westafrika ein. Der aus dem Bundesstaat Borno in Nigeria stammende Anführer leitete den IS-Ableger im Tschadsee-Gebiet – eine strategische Zone, die Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun umfasst. Nach Angaben amerikanischer Behörden und mehrerer spezialisierter Quellen spielte er eine Schlüsselrolle bei der Koordinierung von Operationen, der Rekrutierung von Kämpfern und der Verwaltung von Finanzmitteln.
Washington betrachtete ihn zudem als einflussreichen Führer auf globaler Ebene. Ein Bericht des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen hatte die Möglichkeit erwähnt, dass er nach dem Tod von Abu Khadija im Irak im Jahr 2025 die allgemeine Leitung der Provinzen des Islamischen Staates übernommen haben könnte. Nach Einschätzung der USA stellt seine Tötung daher einen bedeutenden Erfolg dar. Donald Trump erklärte, die Operation habe die operativen Fähigkeiten der Gruppe „erheblich“ geschwächt.
Ein schwerer Rückschlag, aber kein entscheidender Schlag
Auf symbolischer Ebene schwächt der Tod eines derart einflussreichen Verantwortlichen die Organisation zweifellos. Dschihadistische Gruppen messen Führung, Propaganda und dem Bild von Stärke, das sie gegenüber ihren Kämpfern vermitteln, große Bedeutung bei. Mehrere Experten für bewaffnete Bewegungen erinnern jedoch daran, dass der Islamische Staat bereits den Tod zahlreicher Anführer seit dem Zusammenbruch seines „Kalifats“ im Irak und in Syrien im Jahr 2017 überstanden hat. Heute funktioniert die Organisation als dezentralisiertes Netzwerk mit relativ autonomen regionalen Ablegern. In Afrika verfügen diese Gruppen häufig über eigene Finanzierungs-, Rekrutierungs- und Befehlsstrukturen.
Mit anderen Worten: Der Verlust eines wichtigen Funktionärs kann bestimmte Operationen vorübergehend verlangsamen, interne Rivalitäten auslösen oder logistische Netzwerke destabilisieren, ohne jedoch den Zusammenbruch der Bewegung zu bewirken. Im Tschadsee-Becken verfügen die mit dem IS verbundenen Kämpfer weiterhin über eine starke lokale Verankerung. Sie profitieren von Armut, fehlenden öffentlichen Dienstleistungen und gesellschaftlichen Spannungen, um neue Mitglieder zu rekrutieren.
Die USA verstärken ihre Sicherheitspräsenz
Die von Donald Trump angekündigte Operation verdeutlicht zudem die verstärkte militärische Zusammenarbeit zwischen Washington und Abuja. In den vergangenen Monaten haben die Vereinigten Staaten ihre Geheimdienstkooperation mit der nigerianischen Armee ausgeweitet, bestimmte Waffenverkäufe beschleunigt und etwa 200 Soldaten entsandt, die lokale Streitkräfte ausbilden sollen. Bereits im vergangenen Dezember hatten amerikanische Luftangriffe Terroristen im Bundesstaat Sokoto im Nordwesten Nigerias getroffen.
Washington begründet dieses militärische Engagement mit der Zunahme dschihadistischer Gewalt und von Massenentführungen in der Region. Donald Trump behauptet zudem, nigerianische Christen seien gezielten Verfolgungen ausgesetzt – eine Einschätzung, die von den nigerianischen Behörden und zahlreichen Experten bestritten wird. Diese weisen darauf hin, dass sowohl Muslime als auch Christen Opfer der Gewalt werden.
Doch der Kampf gegen den Islamischen Staat und allgemein gegen den Terrorismus in Afrika kann sich nicht allein auf militärische Operationen beschränken. Er erfordert auch die Bekämpfung der tieferliegenden Ursachen, die den Nährboden für bewaffnete Gruppen bilden: extreme Armut, Korruption, Jugendarbeitslosigkeit, die Abwesenheit staatlicher Strukturen in bestimmten Regionen sowie ethnische und gesellschaftliche Konflikte.
Für die Zivilbevölkerung, die durch Jahre des Krieges erschöpft ist, geht es inzwischen um mehr als militärische Erfolgsmeldungen. Entscheidend ist vor allem die Rückkehr zu einem normalen Leben in einer Region, in der Frieden weiterhin außer Reichweite scheint. Die Tötung von Abu-Bilal al-Minuki stellt zwar einen schweren Rückschlag für den Islamischen Staat in Westafrika dar, reicht jedoch nicht aus, um einen Krieg zu entscheiden, der noch lange nicht gewonnen ist. (Quelle: afrik.com)