Sudan: Mit Gräueltaten verbundene Kolumbianer wurden auf Stützpunkten in den VAE ausgebildet

Abu Dhabi sollte jede militärische Unterstützung der missbräuchlichen RSF beenden
(Beirut) – Kolumbianische private Militärdienstleister, die offenbar von einem in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ansässigen Unternehmen angeworben wurden, passierten Militärstützpunkte der VAE, bevor sie zur Unterstützung der berüchtigten Rapid Support Forces (RSF) in den Sudan entsandt wurden. Dies erklärte Human Rights Watch in einem heute veröffentlichten Bericht. Die Erkenntnisse liefern weitere Hinweise darauf, dass die VAE die RSF unterstützen oder wesentlich zu deren Fähigkeit beitragen, Kriegsverbrechen zu begehen.

Der 83-seitige Bericht „From Bogotá to El Fasher: UAE’s Role in the Deployment of Colombian Fighters and Other Backing to the Rapid Support Forces in Sudan“ („Von Bogotá nach El Fasher: Die Rolle der VAE bei der Entsendung kolumbianischer Kämpfer und anderer Unterstützung für die Rapid Support Forces im Sudan“) legt Beweise vor, dass die in Abu Dhabi ansässige Sicherheitsfirma Global Security Services Group (GSSG) seit 2024 Hunderte kolumbianische Militärdienstleister angeworben hat, die im Sudan an der Seite der RSF kämpfen. Die RSF befindet sich dort im Krieg mit den sudanesischen Streitkräften (SAF).

Human Rights Watch fand Hinweise darauf, dass sich private Militärdienstleister im Oktober 2025 in El Fasher, der Hauptstadt von Nord-Darfur, aufhielten, als die RSF die Stadt einnahm und dort weit verbreitete Tötungen und Vergewaltigungen beging. Die internationale UN-Untersuchungsmission für den Sudan erklärte, diese Ereignisse trügen „die Merkmale eines Völkermordes“.

„Die Rekrutierung kolumbianischer Militärdienstleister fügt sich in eine wachsende Zahl von Beweisen ein, dass die VAE militärische Unterstützung für die Rapid Support Forces leisten, die im Sudan wiederholt abscheuliche Gräueltaten begangen haben“, sagte Mausi Segun, Direktorin der Afrika-Abteilung von Human Rights Watch. „Regierungen sollten öffentlich verlangen, dass die VAE die Lieferung von Waffen, Ausrüstung, Personal und anderer militärischer Unterstützung an die RSF einstellen.“

Human Rights Watch befragte zwei kolumbianische Militärdienstleister, die im Sudan eingesetzt wurden, einen ehemaligen Mitarbeiter von GSSG, acht Einwohner von El Fasher sowie sieben weitere Quellen, darunter ehemalige kolumbianische Militäroffiziere. Zudem wurden Unternehmensunterlagen und offizielle Dokumente ausgewertet sowie online veröffentlichte Fotos und Videos verifiziert und geolokalisiert, darunter Aufnahmen der Militärdienstleister selbst. Einige dieser Aufnahmen zeigen sie im Kampf an der Seite der RSF im Sudan sowie bei Ausbildungsmaßnahmen auf Militäranlagen der VAE.

Die Rekrutierungsaktion wurde offiziell von privaten Unternehmen durchgeführt. Human Rights Watch stellte jedoch fest, dass die Rekruten über einen Militärstützpunkt der VAE in Ghiyathi sowie über eine offenbar militärische Einrichtung in Al Wathba – beide im Emirat Abu Dhabi – geschleust wurden.

Ein Militärdienstleister berichtete, dass er bei seiner Ankunft in den VAE die Einreisekontrolle umging: „Unsere Pässe wurden nicht abgestempelt.“ Er sagte, dass er zusammen mit anderen Rekruten direkt zum Stützpunkt Ghiyathi gebracht wurde, wo sie von emiratischen Staatsangehörigen ausgebildet wurden.

Human Rights Watch identifizierte außerdem vier weitere Militärdienstleister, deren verifizierte Fotos und Videos belegen, dass sie vor ihrem Einsatz im Sudan Zwischenstopps in den VAE einlegten.

Die ersten öffentlichen Hinweise auf die Präsenz kolumbianischer Kämpfer im Sudan erschienen im November 2024 in sozialen Medien, 19 Monate nach Beginn des Konflikts. Die Videos wurden von den Joint Forces of the Armed Movements, einem Bündnis bewaffneter Gruppen auf Seiten der sudanesischen Armee, veröffentlicht. Diese hatten einen Konvoi kolumbianischer Kämpfer abgefangen, der über Libyen in den Sudan eingedrungen war.

Bei den Kolumbianern wurden in Bulgarien hergestellte 81-mm-Mörsergranaten gefunden, die laut dem französischen Sender France 24 aus Beständen der Streitkräfte der VAE umgeleitet worden waren. Diese Munition gehörte zu drei Arten militärischer Ausrüstung, die entgegen den Endverbleibserklärungen in die Hände der RSF gelangten – wie Untersuchungen von Human Rights Watch, Amnesty International und France 24 ergaben.

Human Rights Watch verifizierte und geolokalisierte außerdem Videos, die ausländische Militärdienstleister – offenbar Kolumbianer – während der Eroberung von El Fasher durch die RSF im Herbst 2025 zeigen. Die Einwohner der Stadt waren schweren Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt, darunter Tötungen, Vergewaltigungen, Aushungern und gezielte Angriffe auf Menschen mit Behinderungen.

Sechs Zeugen berichteten, sie hätten bei den Massenhinrichtungen durch die RSF „weiße“ ausländische Kämpfer gesehen, die dieselbe Schutzausrüstung trugen wie die Personen in den Videos: Helme, Schutzwesten und Knieschoner.

Ein kolumbianischer Militärdienstleister erklärte, er habe um April 2025 herum RSF-Rekruten in Lagern nahe Nyala, dem wichtigsten RSF-Stützpunkt in Süd-Darfur, ausgebildet. Viele der Rekruten seien „kleine Kinder“ gewesen. Das kolumbianische Nachrichtenportal La Silla Vacía berichtete ebenfalls, dass einige Militärdienstleister Kindersoldaten der RSF ausgebildet hätten.

Nach internationalem Recht ist die Rekrutierung oder der Einsatz von Kindern in bewaffneten Konflikten verboten. Handelt es sich um Kinder unter 15 Jahren, stellt dies ein Kriegsverbrechen dar. Der UN-Generalsekretär bestätigte für das Jahr 2024 insgesamt 16 Fälle der Rekrutierung von Kindern durch die RSF und setzte die Gruppe auf die sogenannte „Liste der Schande“ für schwere Verstöße gegen Kinderrechte in bewaffneten Konflikten.

Laut einem Bericht der investigativen Nichtregierungsorganisation The Sentry aus dem Jahr 2025 wurde die Global Security Services Group 2016 von Ahmed Mohammed al-Humairi, dem Generalsekretär des Präsidentengerichts der VAE, gegründet. Al-Humairi untersteht Vizepräsident Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan, dem Bruder von Präsident Mohamed bin Zayed Al Nahyan und Vorsitzenden des Präsidentengerichts.

2017 übertrug al-Humairi seine Anteile an GSSG laut The Sentry an Mohamed Hamdan al-Zaabi, einen langjährigen Geschäftspartner.

GSSG wirbt damit, „das erste private Sicherheitsunternehmen in den Vereinigten Arabischen Emiraten mit einer Lizenz für bewaffnete Sicherheitsdienste“ zu sein. Bis vor Kurzem gab das Unternehmen zudem an, wichtige Ministerien der VAE zu seinen Kunden zu zählen und „der einzige Anbieter bewaffneter privater Sicherheitsdienste für die Regierung der VAE“ zu sein.

Ein ehemaliger Mitarbeiter erklärte, dass auch hochrangige Mitglieder der Herrscherfamilie zu den Kunden des Unternehmens gehörten. Diese Aussage wird durch einen Bestand geleakter E-Mails gestützt, die Human Rights Watch einsehen konnte. Al-Zaabi steht weiterhin in geschäftlicher Verbindung mit al-Humairi.

Die VAE weisen die Vorwürfe einer militärischen Unterstützung der RSF entschieden zurück und erklären, ihre Hilfe sei rein humanitärer Natur. Nach Auffassung von Human Rights Watch müssten die staatlichen Behörden der Emirate jedoch vollständig über Aktivitäten auf ihrem Staatsgebiet und insbesondere auf staatlichem Eigentum sowie Militärstützpunkten informiert sein. Die VAE gelten als stark zentralisierter autoritärer Staat.

Nach emiratischem Recht sind private Sicherheitsunternehmen verpflichtet, ihre Tätigkeiten mit den Behörden der VAE abzustimmen und sicherzustellen, dass ihre Aktivitäten nicht mit anderen Sicherheitsmaßnahmen in Konflikt geraten.

Human Rights Watch wandte sich mit einer Zusammenfassung seiner Erkenntnisse an GSSG, die Behörden der VAE sowie weitere Personen und Organisationen, die in die mutmaßliche Rekrutierung und Entsendung von Militärdienstleistern oder andere militärische Unterstützung der RSF verwickelt sein könnten. Eine Antwort erfolgte nicht.

Der UN-Sicherheitsrat sollte sein Expertengremium für den Sudan beauftragen, GSSG und insbesondere al-Zaabi wegen ihrer mutmaßlichen Unterstützung der RSF unter Verletzung des seit 2004 geltenden Waffenembargos für Darfur zu untersuchen. Darüber hinaus sollte das Gremium weitere Akteure, darunter private Unternehmen, untersuchen, die die RSF unterstützen könnten, und Sanktionen gegen Personen und Organisationen verhängen, die solche Unterstützung leisten.

Auch Regierungen sowie die Europäische Union und die Afrikanische Union sollten GSSG und al-Zaabi untersuchen, um gezielte Sanktionen zu prüfen. Staaten sollten sämtliche militärische Zusammenarbeit mit den VAE sowie Waffenlieferungen an die Emirate aussetzen. Die EU und andere Staaten sollten ihren Einfluss im Rahmen bilateraler Verhandlungen mit den VAE nutzen, um die Regierung in Abu Dhabi dazu zu bewegen, ihre Unterstützung der RSF einzustellen.

„Die zivilen Opfer zahlen den Preis für den mangelnden politischen Willen, die Unterstützung der RSF durch die VAE offen zu benennen“, sagte Segun. „Andere Länder dürfen die pauschalen Dementis der VAE nicht länger akzeptieren, da sie den Tatsachen widersprechen. Die Straflosigkeit für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit muss beendet werden.“ (HRW)