„Humanitärer Skandal“: ASB sichert SOS Humanity Solidarität zu

"Humanitärer Skandal": ASB sichert SOS Humanity Solidarität zu
Foto: SOS Humanity

Bei seinem Besuch bei SOS Humanity im sizilianischen Syrakus kritisiert der ASB-Vorsitzende Knut Fleckenstein die Bundesregierung für die Budgetkürzung in der Humanitären Hilfe: „Diese kurzsichtige Politik wird verheerende Folgen haben.“ Der zivilen Seenotrettungsorganisation sagt er weiterhin die volle Solidarität des Arbeiter-Samariter-Bundes Deutschland zu.

„Lassen die Menschen mit ihren Fluchtursachen im Stich“
Das Auswärtige Amt hat die finanzielle Unterstützung der Seenotrettung dagegen im Jahr 2025 vollständig eingestellt. Auch die Ausgaben für Humanitäre Hilfe im Ausland sanken im Bundeshaushalt drastisch: von 2,23 Milliarden Euro im Jahr 2024 auf etwa eine Milliarde in 2025. Knut Fleckenstein: „Wir lassen die Menschen mit ihren Fluchtursachen im Stich: Im Koalitionsvertrag versprachen die Regierungsparteien, die humanitäre Hilfe zu stärken – nur um die Mittel dafür im Jahr 2025 um mehr als die Hälfte zu kürzen. Diese kurzsichtige Politik wird verheerende Folgen haben.“

„Wer heute im Mittelmeer Menschen rettet, handelt nicht politisch, sondern menschlich. Und doch erleben wir weiterhin, dass zivile Seenotrettung behindert wird – durch Gesetze, durch Festsetzungen von Schiffen und durch politische Maßnahmen, die Einsätze erschweren“, sagt Knut Fleckenstein. „Das ist inakzeptabel. Wir stellen uns klar dagegen, dass Organisationen wie SOS Humanity unter Druck geraten und kriminalisiert werden. Es ist nicht hinnehmbar, dass Rettungsschiffe behindert werden, während das zentrale Mittelmeer eine der tödlichsten Fluchtrouten der Welt bleibt.“

„Humanity I“ zum wiederholten Mal festgesetzt
Zwischen 2014 und 2025 starben laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mehr als 33.000 Flüchtlinge im Mittelmeer oder wurden als vermisst gemeldet. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2026 sind laut IOM mehr als 600 Menschen gestorben oder werden vermisst – so viele wie noch nie seit 2014 in diesem Zeitraum. Die Dunkelziffer liegt wohl deutlich darüber.

SOS Humanity wurde 2015 als Teil des internationalen Verbundes SOS Mediterranee gegründet, der seitdem rund 40.000 Menschen aus dem Mittelmehr retten konnte. Seit 2022 betreibt die Organisation das Rettungsschiff Humanity I, welches seitdem 4.967 Überlebende an Bord nehmen konnte, 1.408 davon Minderjährige oder Kinder. Dennoch sieht sich die Besatzung zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Zum wiederholten Mal wurde die Humanity I im Februar 2026 von den italienischen Behörden festgesetzt und mit einer Geldstrafe von 10.000 Euro belegt.

Forderung: EU-koordiniertes Seenotrettungsprogramm
„Die Realität ist: Solange es keine sicheren und legalen Wege nach Europa gibt, zwingt die Politik Menschen in lebensgefährliche Situationen. Das ist und bleibt ein humanitärer Skandal“, sagt Knut Fleckenstein. „Wir fordern die europäischen Staaten auf, endlich zu handeln: Es braucht jetzt ein EU-koordiniertes Seenotrettungsprogramm. Menschenleben zu retten ist Pflicht – und darf nicht länger der Zivilgesellschaft allein überlassen werden.“ (ASB)