
Anlässlich des 16. Internationalen Tages der Witwen, der am 23. Juni 2026 begangen wurde, richtet Kamerun den Blick auf die oft prekäre Situation dieser gesellschaftlich ausgegrenzten Frauen. Zwischen entwürdigenden Witwenritualen, Enteignungen und solidarischer Unterstützung kämpfen viele von ihnen täglich um Würde, Gerechtigkeit und wirtschaftliche Unabhängigkeit.
Kamerun arbeitet über das Ministerium für Frauenförderung und Familie, gemeinsam mit der Zivilgesellschaft und internationalen Partnern, daran, den Status und die Lebensbedingungen von Witwen zu verbessern. Ziel ist es, ihre Selbstständigkeit zu fördern, ihnen Gerechtigkeit und Würde zu garantieren sowie einen gleichberechtigten Zugang zu Rechtsschutz und Erbrechten sicherzustellen. Trotz der Vielzahl dieser Maßnahmen sind Witwen jedoch weiterhin zahlreichen Schwierigkeiten ausgesetzt. Der 16. Internationale Tag der Witwen am 23. Juni 2026 machte erneut auf die Herausforderungen aufmerksam, mit denen viele von ihnen täglich konfrontiert sind.
Gerechtigkeit für Witwen
„Gerechtigkeit, Würde und wirtschaftliche Selbstbestimmung für Witwen“ lautete das Motto der diesjährigen Ausgabe. Nach den Worten der kamerunischen Ministerin für Frauenförderung und Familie, Professorin Marie-Thérèse Abena Ondoua, fordert dieses Thema dazu auf, „die Maßnahmen zugunsten von Witwen zu verstärken, ihre Rechtskenntnisse zu fördern und unternehmerische Initiativen zu unterstützen, die ihre Lebensbedingungen verbessern“.
„Alle Witwen verbindet der Verlust eines Lebenspartners. Die Vielzahl von Misshandlungen und Ungerechtigkeiten, denen Witwen ausgesetzt sind, ist mit der Situation verwitweter Männer nicht vergleichbar. Ihnen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, bedeutet zunächst anzuerkennen, welches Martyrium sie bereits unmittelbar nach dem Tod ihres Ehemannes erleben: die Zerstörung der Familie, die Enteignung von beweglichem und unbeweglichem Eigentum sowie entwürdigende Witwenrituale, die sie mitunter sogar dazu zwingen, unmittelbar nach der Beerdigung das Schlafzimmer und das Leben mit einem Bruder ihres verstorbenen Mannes zu teilen“, erklärt der Rechtsanwalt Joseph D.
Zwischen Tradition, gesellschaftlicher Realität und Gesetz
„Enteignung, wirtschaftliche Not und mitunter soziale Ausgrenzung: Viele Witwen stehen nach dem Verlust ihres Ehepartners weiterhin vor erheblichen Herausforderungen. Weltweit gibt es schätzungsweise rund 258 Millionen Witwen, von denen zwei von zehn in extremer Armut leben. Diese Situation macht eine Stärkung der Schutz- und Unterstützungsmechanismen erforderlich“, erklärt Sophie E., Vorsitzende eines Witwenverbandes.
„Zwischen Tradition, gesellschaftlicher Realität und den gesetzlichen Bestimmungen bleiben die Rechte von Witwen in vielen Gemeinschaften unseres Landes ein sensibles Thema. Mein Mann hat ein Kakaofeld hinterlassen. Die Mitglieder meiner Schwiegerfamilie wollen nicht, dass ich dort arbeite. Stattdessen wollen sie das Grundstück verkaufen. Sie sagen, da ich noch jung sei, würden andere Männer das Erbe ausnutzen, das mein verstorbener Mann hinterlassen hat“, berichtet die Witwe Judith T.
„Finanzielle Not, Erbstreitigkeiten und soziale Isolation – in Kamerun müssen viele Witwen diese Prüfungen ganz allein bewältigen. Um uns zu helfen, bauen Verbände Solidaritätsnetzwerke auf, die rechtliche und psychosoziale Unterstützung anbieten. Dazu gehört das Nationale Netzwerk der Witwen für soziale und solidarische Wirtschaft, in dem trauernde Frauen nach und nach neues Selbstvertrauen und Hoffnung schöpfen“, fügt sie hinzu. (Quelle: afrik.com)