
Mali steht unter Schock nach einer Serie koordinierter Angriffe, die am Samstag, den 25. April 2026, gegen mehrere militärische Stellungen und Städte des Landes verübt wurden. Während die Kämpfe am Sonntag in einigen Orten – insbesondere in Kidal und Kati – noch andauerten, häufen sich die diplomatischen Reaktionen. Der Angriff, der von terroristischen Gruppen beansprucht wurde, löste zudem ein politisches Erdbeben aus: Der Verteidigungsminister, General Sadio Camara, wurde getötet, und der Chef der Junta, Assimi Goïta, musste evakuiert werden.
Die Verurteilungen folgten Schlag auf Schlag nach den tödlichen Terroranschlägen in Mali. Die ECOWAS, die Europäische Union sowie China veröffentlichten umgehend Stellungnahmen.
Eine landesweit koordinierte Offensive
Die Angreifer führten am Samstag eine groß angelegte Operation durch, indem sie gleichzeitig mehrere strategische Gebiete Malis angriffen. Die Peripherie von Bamako und Kati – nahe dem Machtzentrum – wurde ebenso ins Visier genommen wie Kidal und Gao im Norden. Auch in Sévaré und Mopti, zwei wichtigen Orten im Zentrum des Landes, wurden Angriffe und Gefechte gemeldet.
Der gleichzeitige Charakter dieser Offensiven zeigt eine hohe Koordinationsfähigkeit der bewaffneten Gruppen. Durch die Vielzahl an Fronten wollten sie die malischen Sicherheitskräfte zersplittern und deren Reaktionsfähigkeit überlasten. Diese Strategie zielt auch darauf ab, Angst zu verbreiten und zu demonstrieren, dass selbst die sensibelsten Gebiete nicht sicher sind.
Die Wahl der Ziele – mitten im Machtzentrum – verdeutlicht die Entschlossenheit der bewaffneten Gruppen. In Kati, einer Garnisonsstadt und Machtbastion seit den Staatsstreichen von 2020 und 2021, war die Lage besonders kritisch. Bewohner berichteten am Sonntag von erneuten heftigen Schusswechseln und Explosionen. Dies zeigt, dass die Armee weiterhin Schwierigkeiten hatte, die vollständige Kontrolle über die Region zurückzuerlangen. Über die Opferzahlen hinaus machen diese Angriffe deutlich, dass die bewaffneten Gruppen trotz der jüngsten Offensiven der Behörden weiterhin über erhebliche operative Fähigkeiten verfügen.
Tod von Sadio Camara, einer Schlüsselfigur des Regimes
Das einschneidendste Ereignis dieser Angriffswelle bleibt der Tod des malischen Verteidigungsministers Sadio Camara, der bei einem Anschlag mit einem mit Sprengstoff beladenen Fahrzeug auf sein Wohnhaus getötet wurde. Laut mehreren Medienberichten kamen bei der Explosion auch eine seiner Ehefrauen sowie zwei anwesende Kinder ums Leben. Dieser spektakuläre Angriff traf einen der einflussreichsten Männer des Regimes direkt in seiner Residenz.
Der ehemalige Offizier der malischen Streitkräfte galt als einer der Pfeiler der Macht nach den Staatsstreichen von 2020 und 2021. Als enger Vertrauter von Assimi Goïta gehörte er zum engsten Führungskreis der Übergangsregierung. Sein Einfluss ging weit über das Militär hinaus, da er maßgeblich an strategischen Entscheidungen beteiligt war.
Teilweise in Russland ausgebildet, verkörperte er zudem die sicherheitspolitische Annäherung zwischen Mali und Moskau in den letzten Jahren. Er war eng mit der Stärkung der malischen Armee und der neuen Sicherheitsdoktrin des Regimes verbunden. Sein Tod stellt daher einen schweren Schlag für die Übergangsbehörden dar. Er schwächt die militärische Befehlskette und destabilisiert das interne politische Gleichgewicht der Junta. Zudem zeigt er, dass bewaffnete Gruppen nun gezielt die Symbole der zentralen Macht angreifen.
General Assimi Goïta wurde seinerseits nach einem Angriff auf die Region aus seiner Residenz in Kati evakuiert. Nach Angaben seines Umfelds wurde er an einen gesicherten Ort unter dem Schutz von Spezialeinheiten gebracht. Seit den Ereignissen hat er keine öffentliche Erklärung abgegeben, was Spekulationen über die Schwere der Lage verstärkt.
Eine Welle internationaler Verurteilungen
In einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung verurteilte die Europäische Union über die Dienste ihrer Außenbeauftragten Kaja Kallas „mit Nachdruck die terroristischen Angriffe“. Brüssel bekundete seine Solidarität mit dem malischen Volk und bekräftigte sein Engagement im Kampf gegen den Terrorismus sowie für Frieden, Sicherheit und Stabilität in Mali und im gesamten Sahel.
Die ECOWAS verurteilte die Taten als „abscheulich“ und verwies auf die Barbarei ihrer Urheber. Die Organisation rief ihre Mitgliedstaaten, Sicherheitskräfte und Bevölkerungen dazu auf, ihre Anstrengungen im Kampf gegen diese gemeinsame Bedrohung zu bündeln.
Auch China verurteilte die Angriffe „mit größter Entschiedenheit“, sprach den Opfern sein Beileid aus und sicherte den malischen Behörden Unterstützung bei der Verteidigung der Souveränität und Stabilität des Landes zu. Die Regierung von Senegal erklärte ihrerseits, sie verfolge die Entwicklung der Lage mit „großer Besorgnis“. Dakar verurteilte Handlungen, die Zivilisten gefährden und die regionale Stabilität bedrohen, und bekräftigte zugleich seine Unterstützung für die territoriale Einheit Malis. (Quelle: afrik.com)