Streiflichter der Leipziger Buchmesse 2026

Streiflichter der Leipziger Buchmesse 2026
Bild: Theresa Endres

„Geschichten verbinden,“ so das Motto der diesjährigen Buchmesse. Die Leipziger Messe gilt als einer der wichtigsten Treffpunkte der Buch- und Medienbranche, bringt Leser, Autoren, Verlage und Medien aus der ganzen Welt zusammen. Eingeladen wird zum größten europäischen Lesefestival. Eine Vielfalt der Literatur, Neuentdeckungen mit über 2000 Ausstellern aus 54 Ländern. Ca. 3000 Veranstaltungen, die Foren zu aktuellen Themen und die unabhängigen Autoren fanden mit den thematischen Schwerpunkten, und den Fernseh- und Radiosendern ein großes Publikumsinteresse.

Afrikanische Literatur, vorgestellt auf der Buchmesse 2026
Der Schauspieler und Autor Sanussi Bliss hat Passagen aus seinem Buch „Den Rest habe ich verdrängt“ gelesen. In seiner Autobiografie werden Ereignisse von sechs Jahrzehnten lebendig. Der Autor umschreibt seine Lebensgeschichte mit den Worten: Der Wind, der uns bewegt.

Zwei Kapitel hat er aus seinem Buch vorgetragen. Seine Kindheit in Hiddensee, einem kleinen Dorf. Seine Mutter, alleinerziehend, kämpfte mit der Doppelmoral der existierenden Verhältnisse.

Sein Vater, ein Student aus Guinea, konnte seine Vaterschaft nicht öffentlich machen, da er sonst aus der DDR in sein Land zurückgeschickt worden wäre. In Henningsdorf fühlt sich der Autor wohl, er lebt in einer Patchworkfamilie. Sanussi Bliss trägt vor, dass er in der Schule oft beleidigt und ausgegrenzt wurde. Das Wiedersehen mit seinem Vater, mittlerweile Botschafter in Kanada, war für ihn ernüchternd. Den Kontakt zu ihm hat er nie wieder gesucht.

Seine Karriere als Schauspieler, mit Engagement in Dresden und diversen Filmrollen, vermittelte er eindrucksvoll mit all ihren Tiefs und Hochs.

Die zweite Buchvorstellung setzt sich mit Migration auseinander „No Borderlasts forever“ (Keine Grenze ist für immer) vom Netzwerk Welcome United (Gemeinsames Willkommen) mit Muna Abdi und Hassan Nugud (Edition assemblage). Angesprochen wird in dieser Veröffentlichung, dass Europa immer weiter nach rechts rücke. Geflüchtete werden als Fremdbilder verbreitet, mit einfachen Parolen werden sie für die unterschiedlichsten Probleme verantwortlich gemacht. Umgesetzte Lösungen sind die Abschottung der Grenzen und die verstärkten Abschiebungen. Millionen werden dafür eingesetzt.
Die beiden Autoren berichten von Misshandlungen durch die libyschen Milizen, finanziert durch EU-Gelder. Sie beschreiben nächtliche Abschiebungen aus deutschen Dublin-Zentren in Hamburg (zuständig für EU-Staaten) und Eisenhüttenstadt (ausschließlich für Polen). In der Diskussion wird darauf hingewiesen, dass sich gegen diese Entrechtung Initiativen gemeinsam einsetzen, nicht nur in Deutschland, sondern auch, in Europa und auf den Transitrouten in Afrika. Netzwerke treten für Bewegungsfreiheit gegen Isolation und Gewalt ein.

Der Peter Hammer Verlag, mit dem Schwerpunkt auf afrikanischer Literatur, hat zwei Bücher der preisgekrönten Autorin Hemley Boum im Programm.

Der Roman,“ Wind, der uns heimträgt“ erzählt vom traditionellen Leben in einem Fischerdorf in Kamerun. Die Kinder ziehen weg von den Eltern und dem Kontinent. Und dennoch: Der Kontakt zwischen den Generationen bricht nicht ab. Dieser Familienroman wurde 2025 mit dem Grand Prix Afrique (Großer Preis Afrika) ausgezeichnet.

In ihrem zweiten Roman „Die Tage kommen und gehen“ schildert die Autorin bewegende Schicksale. Drei Frauen aus drei Generationen werden mit ihren Wünschen, und Enttäuschungen charakterisiert. Die wechselvolle Geschichte in den Beziehungen von Mutter und Tochter wird thematisiert. Abi bringt ihre Mutter Anna in ein Hospiz in Paris. Die Pflege führt dazu, dass sich die beiden näherkommen. Anna erzählt aus ihrem Leben, dass sie, von einer französischen Ordensfrau unterstützt, beschlossen hat, ihren Weg zu gehen. Trotz ihrer frühen Schwangerschaft verliert sie ihr Ziel nach westlicher Bildung nicht aus den Augen. Ihre Tochter Abi arbeitet als Journalistin. Sie riskiert durch eine Affäre ihre berufliche Karriere. Die terroristischen Anschläge von Boko Haram werden veranschaulicht. Die immer gegenwärtige Bedrohung, auch aus der jüngsten Zeit, wird in diesem Buch lebendig. Besonders Schülerinnen stehen im Fokus von lebensbedrohlichen Entführungen.

Der Krimi aus der Thriller-Trilogie von Leye Adenle „Schatten der Schuld“ ist die Neuerscheinung des Verlages Interkontinental. (Rezension in Africa live vom 22.04.2026).

Verlegt im Rowohlt Verlag: „Fighting Woman“, vorgestellt auf der Leipziger Buchmesse 2026 von der Autorin Andrea Böhm. (Rezension in Africa live vom 08.04.2026)

(Theresa Endres)