
Die im Netz veröffentlichten Bilder eines Massakers an 6 Wolfswelpen durch Nomaden in der Provinz Errachiadia hätten einen landesweiten Aufschrei auslösen müssen. Stattdessen riefen sie bei den marokkanischen Behörden nur eine laue, beinahe bürokratische Reaktion hervor. Routineanhörungen, zu erwartende Rechtfertigungen – und dann Schweigen. Dieses Verstummen angesichts eines derart grausamen Aktes sagt viel darüber aus, wie die Tierfrage behandelt wird: als nebensächliches, ja vernachlässigbares Problem.
Eine offizielle Reaktion, die von der Schwere der Taten abgekoppelt ist
In Marokko scheint Gewalt gegen Tiere toleriert zu werden, wenn nicht sogar indirekt gefördert. Hinter Argumenten wie dem Schutz von Viehbeständen oder dem Risikomanagement verbirgt sich vor allem eines: das eklatante Fehlen einer kohärenten Politik. Indem die Behörden wegsehen, tragen sie zu einer beunruhigenden Verharmlosung eigentlich verwerflicher Praktiken bei. Angesichts eines so schockierenden Verbrechens hätte die Reaktion der Institutionen beispielhaft sein müssen. Stattdessen entsteht der Eindruck eines Systems, das verharmlost, relativiert und letztlich entschuldigt.
Das – durchaus reale – Argument der Angst der Viehzüchter kann unter keinen Umständen das brutale Töten junger Tiere rechtfertigen. Gerade in solchen Situationen muss der Staat entschieden eingreifen, glaubwürdige Alternativen anbieten und Fehlverhalten sanktionieren. Dieses Fehlen an Konsequenz sendet ein gefährliches Signal: dass bestimmte Formen von Gewalt akzeptabel sind, wenn sie in lokale Praktiken eingebettet sind. Eine solche Haltung schwächt nicht nur den Schutz der Biodiversität, sondern auch die Glaubwürdigkeit der Umweltverpflichtungen Marokkos auf internationaler Ebene. Wozu dienen offizielle Verlautbarungen, wenn sich vor Ort faktisch nichts ändert?
WM 2030: Ein durch Tierquälerei beschädigtes Image
Die Lage wird noch besorgniserregender im Vorfeld von Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft 2030. Während Marokko ein Bild von Modernität und Vorbildlichkeit vermitteln möchte, sorgen Kampagnen zur Tötung streunender Tiere für große Empörung. Berichte und verbreitete Bilder schildern besonders schockierende Praktiken: Vergiftungen, verbrannte Tiere oder wahllose Tötungen ohne Vorsichtsmaßnahmen. Über die moralische Empörung hinaus stellen diese Methoden auch ein ernsthaftes Wirksamkeitsproblem dar.
Die massenhafte Tötung streunender Tiere löst langfristig kein Problem. Im Gegenteil: Der Einsatz von Giften in städtischen Gebieten setzt die Bevölkerung direkten Gesundheitsrisiken aus. Zurückgelassene Kadaver werden zu Infektionsherden und ziehen Schädlinge sowie Krankheiten an. Ein weiterer Punkt sorgt für Empörung: der Einsatz öffentlicher Gelder. Es sollen Budgets für das Management streunender Tiere bereitgestellt werden, insbesondere für Impfungen und Sterilisationen. Doch vor Ort bleiben die Ergebnisse unsichtbar. (Quelle: afrik.com)