Südafrika auf dem Weg in die Apartheid 2.0

Von Gastautorin *Fatimoh Danjuma Bintu / In den überfüllten Townships und den explodierenden Ballungsräumen Südafrikas hat sich ein giftiges Narrativ in den Köpfen festgefressen. Afrikaner aus anderen Nationen werden systematisch beschuldigt, den Einheimischen die Arbeitsplätze „zu stehlen“, die Löhne zu drücken und den informellen Handelssektor zu monopolisieren. Ein Land, das einst selbst unter der rassistischen Segregation der Apartheid gelitten hat, errichtet nun eine neue brutale Form des Apartheidstaates. Europa und seine Medien schweigen dazu – obwohl es auch für die Europäer ein Menetekel ist.

Nach einer endlos scheinenden Odyssee kamen Godwin und seine Familie mit nichts weiter als der Kleidung auf ihrem Leib und dem Grauen des Erlebten in Nigeria an, unfähig, das Gesehene in Worte zu fassen. Godwin und seine Familie sowie viele andere Nigerianer und Ghanaer, die nach Südafrika gingen, um ein besseres Leben zu führen, haben alles verloren und ihren gesamten Besitz, ihr Haus, den kleinen Laden und ihr Erspartes, zurücklassen müssen, nur um ihr eigenes Leben retten zu können, aus dem Land eines Nelson Mandela und Desmond Tutu, in dem sie gehofft hatten, eine neue Existenz in Freiheit und Frieden aufbauen zu können. Nun sind sie auf die Großzügigkeit und den guten Willen ihrer Familie angewiesen, gezwungen, mit ihren Kindern wieder ganz von vorne anzufangen. Viele andere hatten weniger Glück, Frauen wurden vergewaltigt, Männer erschlagen und Kinder bestialisch ermordet. Menschen wurden aus niedrigsten Beweggründen zu Tode geprügelt.

Für tausende afrikanische Migranten, die vor politischer Tyrannei, roher Gewalt und wirtschaftlichem Ruin aus Simbabwe, der Demokratischen Republik Kongo, Mosambik, Nigeria oder anderen Nachbarländern flohen, sollte Südafrika das gelobte Land sein. Es war das Land von Nelson Mandela, der Befreiung vom Joch der Unterdrückung durch eine weiße Minderheit, des weltweiten Leuchtturms für verfassungsmäßige Menschenrechte und ein Zufluchtsort, der auf dem unerschütterlichen Versprechen von „Ubuntu“ gründete, jener afrikanischen Philosophie, die besagt: „Ich bin, weil wir sind.“ Doch als sie die Grenzen überschritten, wurden sie von einer brutalen Realität eingeholt. Heute sind genau diese Flüchtlinge gezwungen, erneut zu fliehen, ihre mühsam aufgebauten Existenzen und geplünderten Häuser zurückzulassen. Gejagt werden sie jedoch nicht von kolonialen Unterdrückern, sondern von ihren eigenen schwarzen afrikanischen Brüdern.

In den überfüllten Townships und den explodierenden Ballungsräumen Südafrikas hat sich ein giftiges Narrativ in den Köpfen festgefressen. Afrikaner aus anderen Nationen werden systematisch beschuldigt, den Einheimischen die Arbeitsplätze „zu stehlen“, die Löhne zu drücken und den informellen Handelssektor zu monopolisieren. Bricht ein lokales Geschäft weg oder bleibt die Jugend ohne Arbeit, wird der Sündenbock sofort beim ausländischen Kleinunternehmer gesucht, der einen Tante-Emma-Laden (Spaza Shop) oder einen Friseursalon betreibt. Diese permanente Sündenbock-Politik – auch kommuniziert von der regierenden ANC-Partei und ihren Unterstützern aus dem Umfeld Julius Malemas, der öffentlich dazu aufrief, die weißen Farmer zu ermorden (Kill the Boers) – erfüllt einen ganz klaren, perfiden Zweck: Sie instrumentalisiert die Schwächsten, die Anderen, die Zugewanderten, das Fremde, um das monumentale Versagen der herrschenden Elite zu kaschieren und den Blick von der wirtschaftlichen Agonie des Landes und allgegenwärtiger Korruption abzulenken. Leider fällt diese Botschaft auf fruchtbaren Boden.

Denn die Realität des südafrikanischen Niedergangs ist rein struktureller Natur und hausgemacht. Jahrzehnte ungezügelter Korruption, Besetzung wichtiger Stellen mit Parteifreunden anstatt mit Experten, institutioneller Zersetzung, staatlicher Plünderung („State Capture“) und katastrophalen Missmanagements durch den African National Congress (ANC), welcher 1994 die politische Macht übernahm, haben die einst am weitesten industrialisierte Volkswirtschaft des Kontinents ruiniert. Das Land leidet unter permanenten Stromabschaltungen, einer kollabierenden Infrastruktur und einer Jugendarbeitslosigkeit, die apokalyptische Ausmaße von 30 bis 40 Prozent erreicht hat. Anstatt Verantwortung für dieses historische Staatsversagen zu übernehmen, haben populistische Politiker die Fremdenfeindlichkeit als Überlebensstrategie entdeckt. Radikale Kräfte in der Nationalversammlung, allen voran Julius Malema und seine Economic Freedom Fighters (EFF), nutzen eine hasserfüllte, aufrührerische Rhetorik, um den Zorn der Straße von den eigenen Verfehlungen abzulenken und gezielt auf die afrikanischen Nachbarn zu lenken. Und dass dieser Zorn Früchte tragt, sehen wir heute an den aktuellen Ausschreitungen, Plünderungen und Morden.

Die neue medizinische Apartheid
Die eigentliche historische Tragödie liegt darin, dass ein Land, das einst selbst unter der rassistischen Segregation der Apartheid gelitten hat, nun eine neue Form des Apartheidstaates errichtet, dieses Mal basierend auf Nationalität und Herkunft, egal ob illegal eingewandert oder mit gültigen Papieren. Diese finstere Fratze zeigt sich nirgendwo deutlicher als im öffentlichen Gesundheitssystem, in dem eine immer aggressivere „medizinische Xenophobie“ um sich greift. In Provinzen wie Gauteng und Limpopo sind staatliche Krankenhäuser und lokale Kliniken für Ausländer zu einer regelrechten Sperrzone geworden. Selbsternannte Bürgerwehren wie „Operation Dudula“ – ein Name, der auf Zulu treffend „Rauswerfen“ oder „Wegstoßen“ bedeutet – patrouillieren eigenmächtig in staatlichen Einrichtungen und agieren als illegale Grenzer im Inneren des Staates, ohne dass der Staat regulierend eingreifen würde.

Diese Freikorps-ähnlichen Bürgerwehren, häufig mit Stocken und Rohren bewaffnet, durchkämmen systematisch die Wartebereiche und Eingänge von Krankenhäusern. Sie fordern aggressiv Ausweispapiere von jedem, dessen Akzent, Aussehen oder Hautton Verdacht erregt. Dabei spielt es längst keine Rolle mehr, ob die Betroffenen legale Asylverfahren durchlaufen, gültige Aufenthalts- und Arbeits-Visa besitzen oder ordnungsgemäß registriert sind; wer als ausländischer Afrikaner identifiziert wird, wird gedemütigt, physisch blockiert und ohne medizinische Behandlung vor die Tür gesetzt. Schwangere Frauen, chronisch Kranke, HIV-Patienten und sogar Säuglinge in lebensbedrohlichen Zuständen werden eiskalt abgewiesen. Wer es sich nicht leisten kann, die Kosten eines Privatbesuches beim Arzt zu bezahlen, bleibt sich selbst seinem Schicksal überlassen. Wenn staatliche Stellen und zivile Mobs Hand in Hand arbeiten, um Menschen aufgrund ihrer Herkunft den Zugang zu lebensrettender Medizin zu verweigern, sind die historischen Parallelen unübersehbar. Südafrika führt durch die Hintertür eine strikte Zwei-Klassen-Gesellschaft wieder ein, in der Menschenrechte ein exklusives Privileg für Staatsbürger sind.

Eine lange Geschichte des blutigen Hasses
Wer den aktuellen Ausbruch fremdenfeindlicher Gewalt für ein neues, isoliertes Phänomen hält, verkennt oder ignoriert die moderne Geschichte Südafrikas grundlegend. Dieser tiefsitzende Hass blickt auf eine lange, blutige Kontinuität seit der Machtübernahme durch den ANC zurück. Bereits in den Jahren 2008, 2015 und 2019 kam es zu massiven, tödlichen Pogromen in Südafrika gegen afrikanische Migranten, bei denen Dutzende Menschen lebendig verbrannt, gelyncht und Zehntausende vertrieben wurden. Das Argument der Täter war damals wie heute identisch: Den ausländischen afrikanischen Geschäftsleuten wird vorgeworfen, den Südafrikanern den Wohlstand „wegzunehmen“ – nur weil sie durch unermüdlichen Fleiß und unternehmerisches Geschick erfolgreiche Kleinbetriebe führen.

Dieser blanke Neid und das tief verwurzelte Ressentiment haben in Organisationen wie „Operation Dudula“ eine feste, dauerhafte Struktur gefunden. Entstanden aus der wirtschaftlichen Frustration in den Townships von Johannesburg, hat die Gruppe das fremdenfeindliche Rauswerfen perfektioniert und professionalisiert. Sie führen koordinierte Razzien durch, schließen gewaltsam Geschäfte von Migranten, zerstören deren Eigentum und verjagen ganze Communities, und das oft unter den Augen einer passiven oder gar sympathisierenden lokalen Polizei und von Politikern. Getroffen werden dabei niemals die großen, anonymen Konzerne, sondern ausnahmslos die ärmsten der Armen, afrikanischen Mitmenschen, die lediglich versuchen, zu überleben.

Während Präsident Cyril Ramaphosa öffentlich eingeräumt hat, dass Arbeitslosigkeit und Ungleichheit weiterhin zu den größten Herausforderungen des Landes gehören, wobei er die jahrelange, in der Apartheid verwurzelte wirtschaftliche Schieflage dafür verantwortlich macht und Reformen verspricht, um die Sicherheit zu verbessern, Arbeitsplätze zu schaffen und die Wirtschaft zu stabilisieren, glauben viele Bürger jedoch, dass der ANC 30 Jahre Zeit für Verbesserungen hatte und der Fortschritt angesichts der ständig wachsenden Korruption, der organisierten Kriminalität und des öffentlichen Frusts viel zu langsam verlief. Die Krise in Südafrika wird mittlerweile von anderen afrikanischen Nationen mit großer Sorge beobachtet, spielt das Land doch eine zentrale Rolle für Afrikas Wirtschaft, Politik und regionale Stabilität. Jede Instabilität könnte somit ernsthafte negative Auswirkungen auf Investitionen, den Handel als auch den Frieden auf dem gesamten Kontinent haben.

Das Schweigen der westlichen „Woke“-Medien
Bemerkenswert ist, wie konsequent diese massive Menschenrechtskrise von den westlichen Leitmedien kontinuierlich ignoriert, verharmlost, heruntergespielt oder totgeschwiegen wird. Die Gründe für dieses journalistische Totalversagen liegen in der ideologischen Verblendung des modernen westlichen Liberalismus. Für das „woke“, linksliberale Establishment im Westen passt es schlichtweg nicht in das eigene Weltbild, dass eine schwarzafrikanische Nation eine brutale, rassistisch motivierte Ausgrenzung und Vernichtung gegen ihre eigenen schwarzen afrikanischen Mitmenschen betreiben könnte. Dieses Grauen erschüttert das dogmatische Narrativ, wonach Unterdrückung im globalen Kontext ausschließlich von weißen, westlichen Akteuren ausgehen könne und Rassismus unter Schwarzafrikanern völlig ausgeschlossen sei. Hinzu kommt, dass sich die Toten, Verstümmelten und Vertriebenen in Johannesburg und anderen Brennpunkten in Südafrika, in denen gegen Binnenmigranten vorgegangen wird, nicht für die internen Kulturkämpfe des Westens instrumentalisieren lassen. Deshalb zieht es die moralisierende Presse vor wegzusehen und die Wahrheit dem Schutz einer bereinigten, ideologischen Illusion postkolonialer Solidarität zu opfern.

Ein Menetekel für Europa
Diese düsteren Entwicklungen am Kap der Guten Hoffnung sind keineswegs ein weit entferntes, rein afrikanisches Problem. Sie sind ein unübersehbares Menetekel, eine unübersehbare und eindringliche Warnung für die Staaten Europas. Im Zuge einer naiven, von Multikulturalismus und euphemistischen Moralvorstellungen getriebenen Migrationspolitik haben europäische Länder in den letzten Jahren Millionen Menschen aus den verschiedensten afrikanischen und nahöstlichen Herkunftsländern ungeprüft aufgenommen, ohne die dort tief verwurzelten ethnischen, religiösen und stammesgeschichtlichen Konflikte zu berücksichtigen. Mit der unkontrollierten Masseneinwanderung wurden diese ungelösten, oft jahrhundertealten Fehden eins zu eins nach Europa importiert. Die fatalen Vorboten dieser Entwicklung sind in europäischen Großstädten bereits unübersehbar: Aggressive, verfeindete ethnische Gruppierungen, Clans und Nationalitäten tragen ihre historischen und stammesbasierten Konflikte mit brutaler Gewalt auf europäischen Straßen aus. Südafrika führt uns in aller Deutlichkeit vor Augen, dass eine gemeinsame Herkunft oder dieselbe Hautfarbe absolut keine Garantie für soziale Kohäsion oder friedliches Zusammenleben sind. Wenn nicht einmal ein Land, das die Überwindung des Rassismus in den Mittelpunkt seiner nationalen Identität gestellt hat, den Rückfall in den mörderischen Tribalismus verhindern kann, grenzt es an suizidale Naivität, zu glauben, Europa könnte diese importierten Konflikte dauerhaft im Schmelztiegel der Sozialsysteme auflösen.

Bereits 2017, im Zuge der offenen Grenzen und des ungeprüften Willkommenheißens von Flüchtlingen aus aller Welt, äußerte sich der damalige Außenminister der Vereinigten Arabischen Emirate, Sheikh Abdulla bin Ayed Al-Nahyan, besorgt über die Arglosigkeit und Naivität der Europäer. In einer deutlichen Warnung, ausgesprochen während des Tweeps Forum, sagte Al-Nahyan: „Die Stimmen, die wir hören und die zum Mord, zum Blutvergießen und zum Diebstahl des Vermögens der Menschen aufrufen, sind in London, Deutschland, Spanien und Italien… Es wird der Tag kommen, an dem wir weit mehr Radikale, Extremisten und Terroristen aus Europa kommen sehen werden aufgrund schwacher Entscheidungsfähigkeit und dem Versuch, politisch korrekt zu sein.“ Leider blieb diese Warnung weitgehend ungehört, die aktuelle Entwicklung in Europa bestätigt jedoch seine schlimmsten Befürchtungen.

Fazit: Eine moralische Bankrotterklärung
Zusammenfassend offenbart der Zustand Südafrikas einen erschütternden, moralischen Totalabsturz. Ein Staat, der einst weltweit für die Abschaffung der Apartheid gefeiert wurde, hat sich paradoxerweise selbst in einen Apartheidstaat verwandelt, augenscheinlich aggressiver und totalitärer als unter weißer Herrschaft. Durch die systematische Verweigerung existenzieller medizinischer Hilfe für ausländische Afrikaner, die gezielte Vernichtung ihrer wirtschaftlichen Existenzen, der Vertreibung und Ermordung von Familien und eine dehumanisierende politische Rhetorik hat Südafrika nicht nur das Erbe seines eigenen Freiheitskampfes verraten, sondern den Weg faschistischer Ideen betreten.

Wenn Europa einen Politiker wie Julius Malema, wie kürzlich in London auf einer Veranstaltung vor dem East London Magistrat Court geschehen, „Kill the boer, kill the farmer“ singen lässt, bejubelt von Hunderten von Anhängern, welche alle in England leben, ohne sofortige politische und rechtliche Konsequenzen zu zeigen, macht sich moralisch mitschuldig am Fremdenhass Südafrikas. Doch Europa ist auffallend leise, die sonst so gerne und oft aufgebrachten Wächter eines häufig linkslastigen Moralverständnisses sind plötzlich still. Passt doch das, was gerade in Südafrika geschieht, so gar nicht in das Weltbild selbsternannter Gutmenschen und Moralisten, die von sich glauben, Afrika besser zu kennen und zu verstehen als Afrikaner und oft noch nie einen Fuß auf den Kontinent gesetzt haben.
Die Krone dieser moralischen Heuchelei setzt sich die südafrikanische Regierung selbst auf der internationalen Bühne auf. Mit großem Pomp zog das Land vor den Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag, um Israel lautstark des „Genozids“ zu bezichtigen, bejubelt von der links-liberalen System-Presse und Israelfeinden aller Couleur. Doch während die südafrikanischen Diplomaten im teuren Zwirn auf dem internationalen Parkett moralisieren, umschwärmt und bejubelt von linken Politikern, Anti-Zionisten und einem Tross woker Pressevertreter, lässt ihre eigene Regierung zu Hause die systematische, existenziell bedrohliche Verfolgung und Vertreibung von Mitafrikanern nicht nur gewähren, sondern stachelt sie teils aktiv an bzw. unternimmt nichts, um diese zu beenden. Durch medizinische Selektion, staatlich geduldete Pogrome und gezielten wirtschaftlichen Entzug der Existenz wandelt Südafrika haarscharf auf der Kante genau jener Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die es im Ausland so medienwirksam anprangert. Der Traum von der Regenbogennation ist endgültig tot, verbrannt in den Trümmern geplünderter Geschäfte und gestorben vor den verschlossenen Toren der Krankenhäuser, begraben von Politikern, welche sich mehr um den eigenen Machterhalt sorgen als um das Wohlergehen des eigenen Staates.

*Fatimoh Danjuma Bintu (25), aus Benue State, lebt und arbeitet derzeit in Lagos, Nigeria, und hat einen Abschluss in Gesundheitstechnologie. Sie setzt sich dafür ein, verlässliche Informationen sowie politische und wirtschaftliche Zusammenhänge aus ihrem Land und Westafrika verständlich einzuordnen. (Quelle: achgut.com, mit frdl. Genehmigung der Autorin/des Übersetzers)