Neue Studie: Die Zukunft der Logistik in Afrika

Neue Studie: Die Zukunft der Logistik in Afrika

Eine neue Studie der TU Berlin untersucht die Logistikleistung in Subsahara-Afrika und gibt Handlungsempfehlungen zur Verbesserung. Eine effiziente Logistik spielt weltweit eine wichtige Rolle für wirtschaftliches Wachstum, Wohlstand, nachhaltige Arbeitsplätze und soziale Gerechtigkeit. Schaut man auf den afrikanischen Kontinent, steht dieser jedoch im Bereich der Logistikentwicklung vor zahlreichen zentralen Herausforderungen. In einer von zunehmender Globalisierung geprägten Welt ist die Einbindung des afrikanischen Kontinents in globale Wertschöpfungsnetzwerke unerlässlich, birgt doch allein die erwartete Verdoppelung der Bevölkerung Afrikas bis 2050 ein enormes Potenzial für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung.

Doch welche Probleme bestehen im Bereich der Logistik in Afrika, speziell südlich der Sahara? Und wie könnten hier Lösungsansätze aussehen? Dies sind zentrale Fragen der soeben veröffentlichten Studie „The Future of Logistics Networks with African Countries: Embracing the Potential“, die vom Fachgebiet Logistik der TU Berlin unter Leitung von Prof. Dr.-Ing. Frank Straube durchgeführt wurde. Die Studie ist die erste ihrer Art, die verfügbare Daten zur Logistikleistung in Subsahara-Afrika zusammenführt und verfügbar macht.

Hohe Logistikkosten und geringe Zuverlässigkeit im Binnenverkehr
Im Fokus der Untersuchung stehen Äthiopien, Ruanda und Ghana. Eine von vielen Herausforderungen vor denen diese Länder bezogen auf die Logistikentwicklung stehen, sehen die Autor*innen der Studie beispielsweise in den hohen Logistikkosten und der geringen Zuverlässigkeit im Binnenverkehr. Der Inlandstransport in afrikanischen Ländern südlich der Sahara kann vier- bis fünfmal so hoch sein wie in mitteleuropäischen Ländern mit hohem Einkommen. So dauert beispielsweise der Transport von Dschibuti nach Addis Abeba, Äthiopien (ca. 800 km Entfernung) drei bis zehn Tage und kostet etwa das Vierfache eines vergleichbaren Transports in Deutschland. Der Transport eines Containers von Mombasa, Kenia, nach Kigali, Ruanda, kann viermal so teuer sein wie beispielsweise der Transport von Shanghai, China, nach Mombasa. Dies gilt ebenso für den Frachtumschlag und die Abfertigung in den Häfen. Diese Kosten behindern häufig die Entwicklung integrativer und innerafrikanischer Wertschöpfungsnetzwerke.

Niedriges Niveau der lokalen Wertschöpfung
Ein weiteres Problem, das in der Studie herausgearbeitet wird, liegt in dem niedrigen Niveau der lokalen Wertschöpfung. Zwar sind viele Länder südlich der Sahara reich an natürlichen Ressourcen, ihre Rolle beschränkt sich jedoch auf die Lieferung von Rohstoffen für verschiedene Industriesektoren, ohne dass wertschöpfende Prozessschritte vorgesehen sind. Ohne diese zusätzlichen Schritte würden diese Länder das Wirtschaftswachstum und die logistische Entwicklung verpassen, stellen die Autor*innen der Studie fest. Hinzu kommt ein geringer innerafrikanischer Handel. Dieser liegt bei nur 13 Prozent. Im Vergleich dazu macht der innereuropäische Handel fast zwei Drittel des gesamten Handels der europäischen Länder aus. Neben unzureichender physischer und digitaler Infrastruktur fehlt es in den meisten Ländern Afrikas zudem an ausreichend ausgebildeten Logistikmanager*innen.

Roadmap für eine zukunftsfähige Logistikentwicklung
Diese und weitere Missstände müssen beseitigt werden, um die wirtschaftliche Entwicklung in Subsahara-Afrika voranzubringen. Aufgrund der komplexen Zusammenhänge zwischen den diversen logistischen Herausforderungen sehen die Expert*innen die Notwendigkeit eines ganzheitlichen Ansatzes, um die Probleme, die den Logistiksektor in Subsahara-Afrika behindern, zu lösen und schlagen verschiedene Handlungsfelder zur Förderung eines nachhaltigen Wachstums in der Region vor. Deren Ausgestaltung erfordert jedoch ein komplexes Zusammenspiel von Politik, Wissenschaft und Wirtschaft. Hier schlägt die Studie eine Roadmap für mittel- und langfristige Anpassungsempfehlungen für eine zukunftsfähige Logistikentwicklung auf den Ebenen Logistikprozesse, Logistiknetzwerke in der Infrastruktur, Digitalisierung, ökologische Nachhaltigkeit sowie Politik und Regulierung vor. (idw)

„The Future of Logistics Networks with African Countries: Embracing the Potential“