Westsahara: Drei Mitglieder der Polisario getötet, darunter der Sohn eines historischen Anführers

Drei Mitglieder der Polisario, der Unabhängigkeitsbewegung in der Westsahara, darunter ein hochrangiger Funktionär und Sohn des historischen Anführers Mohamed Abdelaziz, wurden am Sonntag getötet, als sie einen Angriff auf den marokkanischen Verteidigungswall durchführten. Dies teilte lt. RFI die Polisario mit.

Lahbib Mohamed Abdelaziz, Mitglied des Nationalen Sekretariats der Polisario und Brigadechef, sei „auf dem Feld der Ehre gefallen“, heißt es in einer Mitteilung, die am Sonntag, dem 7. Juni, von der sahrauischen Nachrichtenagentur SPS veröffentlicht wurde. Die Polisario verhängte ab Sonntagabend eine dreitägige Staatstrauer.

Lahbib Mohamed Abdelaziz war der Sohn von Mohamed Abdelaziz, dem historischen Führer der Polisario und Präsidenten der 1976 ausgerufenen Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS). Mohamed Abdelaziz bekleidete dieses Amt bis zu seinem Tod im Jahr 2016 im Alter von 68 Jahren nach langer Krankheit.

Der 37-jährige Offizier wurde bei einer Militäroperation gegen das marokkanische Verteidigungssystem in der Westsahara getötet, erklärte die Polisario weiter, ohne die Identität der beiden anderen Opfer bekanntzugeben.

In diesem weitläufigen Gebiet stehen sich seit rund 50 Jahren das Königreich Marokko und die von Algerien unterstützte Polisario gegenüber.

Spanische Presse macht Marokko verantwortlich

Berichte spanischer Medien, insbesondere der Zeitung El País, sprechen von einem Drohnenangriff, der Marokko zugeschrieben wird und sich östlich des Verteidigungswalls ereignet haben soll. Eine offizielle Bestätigung durch die Polisario liegt jedoch nicht vor.

Der sogenannte „Sandwall“ ist eine gewaltige befestigte Anlage, die die Westsahara auf einer Länge von etwa 2.700 Kilometern durchzieht. Er wurde zwischen 1980 und 1987 von Marokko errichtet, um das Eindringen der Unabhängigkeitskämpfer zu verhindern.

Lahbib Mohamed Abdelaziz wurde 1989 in den sahrauischen Flüchtlingslagern von Tindouf geboren. Er stieg innerhalb der militärischen und politischen Strukturen der Polisario auf, bevor er 2024 zum Kommandeur der Ersten Reservebrigade ernannt und im selben Jahr in das Nationale Sekretariat der Bewegung gewählt wurde, berichtet die Nachrichtenagentur SPS.

Die Polisario nahm im November 2020 nach fast drei Jahrzehnten Waffenstillstand den bewaffneten Kampf gegen Marokko wieder auf.

Die Westsahara ist ein wüstenreiches Gebiet mit bedeutenden Phosphatvorkommen und fischreichen Gewässern. Die ehemalige spanische Kolonie, die bis 1975 unter spanischer Herrschaft stand, wird größtenteils von Marokko kontrolliert, gilt jedoch nach Auffassung der Vereinten Nationen weiterhin als nicht selbstverwaltetes Gebiet.

Im vergangenen Oktober unterstützte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen unter dem Einfluss der Regierung von Donald Trump erstmals ausdrücklich den marokkanischen Autonomieplan für die Westsahara und bezeichnete ihn als die „realistischste Lösung“ zur Beilegung des Konflikts.

Auf dieser Grundlage organisierten die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten seit Anfang 2026 drei Verhandlungsrunden mit Vertretern Marokkos, der Polisario, Algeriens und Mauretanien, wie mehrere Medien berichten.

Am Montag, dem 8. Juni, traf der sahrauische Außenminister Mohamed Yeslem Beissat in den Flüchtlingslagern den persönlichen Sondergesandten des UN-Generalsekretärs, Staffan de Mistura, wie SPS mitteilte.